Sonntag, 17. Juni 2007
Grenzen der Herrschaft Teil II: Und die Regierenden?
Der zweite Teil aus dem Buch "Grenzen der Herrschaft - die Endzeit der Machthierarchien" von Jaroslav Langer (1988). Mittlerweile weiß ich auch, dass das Buch vergriffen ist!
Teil I: Und die Parteien?
Teil II: Und die Regierenden?
Teil III: Und das Parlament?
Teil IV: Und die Wähler
Teil V: Aus der Einführung des Buches
Und die Regierenden?
”Die meisten Parteipolitiker denken kaum über eine Legislaturperiode des Parlaments hinaus. Die nächsten Wahlen sind die zeitliche Grenze ihrer politischen Überlegungen und dadurch auch ihres Weitblicks. Denn für politische ”Pragmatiker” ist alles, was darüber hinausgeht, reinste Spekulation. Über solche ”abgehobenen” Themen lassen die Parteien allenfalls denken. Zu diesem Zweck rufen sie, wenn nötig, verschiedene (Langzeit-, Werte-, Struktur-, Programm-, u.ä.) Kommissionen ins Leben...
Der in der Machtsphäre operierende Politiker kann der schwerwiegenden Problematik, mit der er dort konfrontiert wird, ohne Beihilfe des Wissenschaftlers (aber auch sonstiger Denkergruppen) nicht beikommen...
Da die pragmatisch orientierte Herrschaftsgruppe sämtliche Gewalt im Staate ausübt, entscheidet sie praktisch auch darüber, was und wieviel von den Ergebnissen des gesellschaftlichen schöpferischen Denkens sie gebrauchen kann bzw. sie anwenden will. Im modernen Staat ist die Herrschaftsgruppe sowohl der Auftrag-, als auch der Geldgeber der Wissenschaft, und der Wissenschaftler ist ein im breitesten Sinne lohnabhängiger ”Lieferant von Gedankengut auf Abruf”...
Was geschieht aber in der Herrschaftssphäre mit dem bestellten und gelieferten Gedankengut? Es wird dort nach einem ”Drei-Häufchen-Prinzip” behandelt. Die Analysen, Lösungsvorschläge und Empfehlungen der ohnehin im voraus ausgewählten, als (eher) systemkonform bekannten Wissenschaftler werden dort, bildlich ausgedrückt, auf drei ”Häufchen” sortiert:
Auf das erste kommen diejenigen, die den Macht- und/oder Profitinteressen der Geld- und Auftraggeber aus der Herrschaftssphäre dienlich sind. Auf das zweite diejenigen, die als ”macht- und profitneutral” den Macht- und Profitinteressen zwar nicht besonders nützen, aber auch nicht schaden.
Auf das dritte ”Häufchen” kommen dann solche Diagnosen und Therapievorschläge, die den Interessen der auftraggebenden Machtgruppe(n) abträglich sind, sei es auch nur dadurch, daß die vorgeschlagenen Maßnahmen ihre Machtbandbreite schmälern würden.
Nach diesem ”pragmatischen” Ausleseverfahren wird zunächst das dritte ”Häufchen” in den Papierkorb geworfen; dann erst beginnt in der Herrschaftssphäre der Prozeß der Entscheidungsbildung.
Die jahrzehntelange konsequente Anwendung des ”Drei-Häufchen-Prinzips” hat mittlerweile zwei nachhaltige Folgen. Die erste ist die, daß erfahrene Lieferanten des Gedankenguts aus dem Denkerghetto meistens schon im voraus darauf verzichten, Lösungen vorzuschlagen, die mit ziemlicher Sicherheit im ”dritten Häufchen” landen würden. Teils aus Opportunismus, teils aus Resignation doktern sie lieber an Symptomen herum und weichen dem Kern des Problems aus.
Die zweite Folge ist die, daß systemnonkonforme, den Macht- bzw. Profitinteressen ungünstige Lösungsvorschläge, die oft die einzig wirksamen wären, sowie unbequeme Kernprobleme unter den Teppich gekehrt werden, wo sich der Kehrichthaufen mittlerweile in gefährlichen Sprengstoff verwandelt hat, um den die Politiker jetzt auf Zehenspitzen herumschleichen.
Das gilt heute schon für fast alle grundlegenden sozialen und politischen Probleme, wie das Wirtschaftswachstum, die Beschäftigungsfrage, die Umweltzerstörung, den Energieverbrauch und die Energiegewinnung, die Subventionspolitik der Staaten, die Überschüsse von Landwirtschaftsprodukten in der Ersten und Hungersnöte in der Dritten Welt, die allgemeine Geld- und Kapitalpolitik, das Eigentum an Grund und Boden usw. - bis zum Problem der Friedensschaffung und -erhaltung.
In all diesen Problemen wurschteln und doktern die Herrschaftsgruppen an den Folgen herum und weichen jeder Erwähnung der wahren Ursachen aus...”
Geschrieben von toftof
in power to the people
um
23:04
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Zuletzt bearbeitet am 11.07.2007 19:00




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Dies ist der erste Teil einer vier- oder fünfteiligen Blogreihe mit Auszügen aus dem Buch "Grenzen der Herrschaft - Die Endzeit der Machthierarchien" von Jaroslav Langer. Das Buch ist erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften (1988), ISBN
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Dies ist der fünfte und letzte Teil einer fünfteiligen Blogreihe mit Auszügen aus dem Buch "Grenzen der Herrschaft - Die Endzeit der Machthierarchien" von Jaroslav Langer. Das Buch ist erschienen im VS Verlag für Sozialwissenschaften (1988), I
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