Mittwoch, 2. Dezember 2009
Für eine Finanztransaktionssteuer - jetzt!
Samstag, 21. November 2009
Homosexualität stilisiert "wie eine Religion"? - Die Angst der Deutschen
Äh: Es gibt eine Zunahme von Gewalt gegen Lesben und Schwule, aber wir haben einen "Schwulenkult" in Deutschland? Deswegen bitte alle bei der dem Artikel angehängten Umfrage mal abstimmen, damit die Homophobiker dieses Landes keine Chance auf weitere verbale und virtuelle Hetzereien haben!
Proposition 8: Die Angst der Amerikaner vor dem Sturm
Ein Jahr später ist immer noch nichts entschieden oder neu geregelt, denn die Gesetzesänderung wurde für verfassungsgemäß, die bereits geschlossenen Ehen jedoch ebenfalls für weiter gültig erklärt. Bis Ende August konnten Unterschriften für eine Volksabstimmung gegen Proposition 8 gesammelt werden, mit den Referenden ist aber nicht vor Frühjahr 2010 zu rechnen. Diese "Nicht-Entwicklung" haben viele Menschen in der Gay Community auch zu großen Teilen Obama angelastet.Obama hat sich mit einer Rede verteidigt und immerhin in der Zwischenzeit ein Gesetz auf den Weg gebracht, das "Hate Crimes" unter Strafe stellt, für dessen Gesetzesgrundlage Lobby-Gruppen seit der Ermordung von Brandon Teena am 31.12.1993 kämpfen.
Schlimm ist aber auch, wie populär gegen die "Homo-Ehe" gearbeitet wurde und noch wird, zum Beispiel von der "National Organisation for Marriage" mit Prominenten im Fernsehen unter dem Motto "There is a storm gathering". Glücklicherweise haben sich fast ebenso schnell Leute in einer Gegenbewegung zusammengeschlossen - ebenfalls unter Mithilfe vieler Prominenter wie Alicia Silverstone (genau, die aus den "Aerosmith"-Videos), der Kabarettistin Liz Feldman oder der Schauspielerin Jane Lynch, bekannt als Joyce aus "The L-word" bzw. aus "Two and a half men" - und ein Gegenvideo "A Gaythering Storm" gedreht, das ich erst diese Woche fand, aber immer noch witzig finde:
Montag, 26. Oktober 2009
Vertrauensseliger neuer Finanzminister?
"Sie reden heute ziemlich viel über Geld, über Finanzen auch der Bundesrepublik Deutschland. Nun wollen Sie das Finanzministerium besetzen mit einer Person, der öffentlich beteuert hat im Deutschen Bundestag, dass er einen Waffenhändler nur einmal getroffen hat und dabei vergessen hat, dass er auch noch 100.000 D-Mark von dem angenommen hat. Also, wie können Sie so eine Person als sehr kompetent schätzen und sozusagen die Finanzen dieses Landes ihm [an]vertrauen in der Krise?" (nachzulesen in diesem Blog)
(Dank an Peter Jebsen/ jonet)
Dienstag, 6. Oktober 2009
"Atomkraft - nein danke!", die Zweite
Äh, neues Energieversorgungskonzept? Sind die Revisionszeiten - das Wieder-Anlaufen von Block B in Biblis ist übrigens gerade zum dritten Mal verschoben worden - für den langsamen Ausstieg aus der Atomkraft jetzt plötzlich nicht mehr politisch verbindlich? Brechen wir Versprechen, so wie die Union das genüsslich immer wieder der SPD vorgeworfen hat, auf oppositioneller Landesebene, zB in Hessen? Und was ist die FDP für eine "Bürgerrechtspartei", wenn sie sich nun für eine schnelle Kürzung von Solar-Subventionen stark macht?
Waren über eine halbe Million Demonstranten kurz vor der Wahl, 20 Jahre nach der ersten Anti-Atomkraft-Bewegung, denn kein Zeichen? Dass es so schnell schon relevant werden würde, auf die Straße zu gehen, dass Schwarzgelb bereits vor der Regierungsbildung schon eine starke Opposition provoziert und formt, das hätten sich wohl selbst die Grünen nicht träumen lassen. Deswegen: Aktiv werden! Warmlaufen oder am Plakat mitstricken! Denn die CDU mag zwar die Kraft haben, es geht aber darum, sie für das Richtige, das Zukunftsweisende einzusetzen.
Sonntag, 23. August 2009
Deutscher Buchpreis: die alternative Liste der Independent-Verlage ist besser!
Allein dieser Diskussion und der Meinungsmacht, die sie damit hat, muss ein Gegengewicht gesetzt werden, müssen sich wohl die unabhängigen, kleinen Verlage im Land der Dichter und Denker gedacht haben und gaben noch am selben Tag, an dem die Longlist für den diesjährigen Buchpreis veröffentlicht wurde, ihre eigene heraus:
1. Hans Adler: Das Städtchen. Roman (Lilienfeld Verlag)
2. Barbara Bongartz: Perlensamt. Roman (weissbooks)
3. Michel Butor: Der Zeitplan (Matthes & Seitz Berlin)
4. Gion Mathias Cavelty: Die Andouilllette. Roman (Echtzeit Verlag)
5. Leonid Dobycin: Die Stadt N. Roman (Friedenauer Presse)
6. Daniel Goetsch: Herz aus Sand. Roman (Bilger Verlag)
7. Germar Grimsen: Almatastr. Roman (Verbrecher Verlag)
8. Jan Kossdorf: Sunnyboys. Roman (Milena Verlag)
9. Margret Kreidls: Eine Schwalbe falten (Edition Korrespondenzen)
10.Martin Kubaczek: Sorge. Ein Traum Roman (Folio Verlag)
11. Jan Off: Unzucht (Ventil Verlag)
12. David Peace: Tokio im Jahr Null (Liebeskind)
13. Joel Rosenman: John Roberts und Robert Pilpel: Making Woodstook. Ein legendäres Festival und seine Geschichte - erzählt von denen, die es bezahlt haben (Orange Press)
14. Alexander Schimmelbusch: Blut im Wasser. Roman (Blumenbar Verlag)
15. Ulrich Schlotmann: Die Freuden der Jagd (Urs Engler)
16. Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust (Verlag Voland & Quist)
17. Michael Weins: Delfinarium. Roman (mairisch Verlag)
18. Chantal Wicki: Gleissen (Salis Verlag)
19. Benjamin Tienti: Raubvogel. Roman (Luftschacht)
20. Uljana Wolf: falsche freunde (Kookbooks)
Nicht, dass ich alles davon gelesen habe, aber zu meinen persönlichen Empfehlungen gehören auf jeden Fall die Nummern 16 und 17.
Sonntag, 12. Juli 2009
Krümmel, Biblis und Co: Verantwortlich sind die Verantwortlichen
Montag, 6. Juli 2009
Fundstück der Woche: Geschlechterdiskriminierung soft'n'easy
Das Fundstück der Woche ist ein Satz aus einer CD-Kritik zu Joan Baez' neuem Album: "Die 1941 in New York geborene Tochter einer Schottin und
eines mexikanischen Physikers hat eine extrem starke, klare Sopranstimme, mit
der sie in ihren Anfängen oft ein exzessives Timbre entfachte."
Daraus schließen wir: Die Mutter hatte keinen Beruf. Oder einen, der nicht nennenswert ist (im Gegensatz zu Physiker!). Da kann man ja froh sein, dass sie noch eine Nationalität hat.
Freitag, 26. Juni 2009
Der "King of Pop" ist tot - es lebe der "Electroloreking"
Es gibt aber Leute, die versuchen, in die großen Pop-Hausschlappen von Jacko zu schlüpfen. Heißester Anwärter meiner Meinung nach ist der "Electroloreking", "YouTube-Star" Alexander Marcus, (nicht zu verwechseln mit Markus Alexander natürlich, aber wahrscheinlich ist das genau deswegen bewusst gewählt). Der ist auch gleichzeitig mein heißester Anwärter diesen Monat für die Kategorie "Dinge, die die Welt nicht braucht". Was er macht? Schwierig zu beschreiben, muss man sehen und dann noch mal abchecken. Wer engen Glitzerhosen, aus Hemden quellender Hühnerbrust und Untoten-Videos nachtrauert, kann sich hier mit rosa Hose, Langustenhalsband und Blendax-Lächeln ein bisschen trösten. Eventuell findet man den Anmachspruch "Sei kein Frosch, kleine Maus" als Frau ja auch sexy, vor allem, wenn der Frager so eine dolle Mischung aus Ganzkörperkostüm und Teddy-Werbeanzug trägt - es soll ja die komischsten Fetische geben. Man beachte auch den 80er Jahre-Retro-Keyboard-Sound, den nur "Mambo Kurt" besser hinkriegt. "Moonwalk" und Breakdance kann der Mann auch - was will man mehr? Und ein Augenaufschlag wie Peter Alexander meets Roland Kaiser. Fehlen nur noch Joy-Gläser und Tigerfell-Optik-Decke auf der roten Ledercouch.
Das Schlimme ist: Der Typ meint das komplett ernst. Sonst hätte er ja kein Album rausgebracht. Aber das meinte Jacko ja auch. Mit ein bisschen Fantasie ist da "Papaya, wo die Sterne am Horizont scheinen" doch genauso schön wie die Neverland-Ranch. Und genauso trashig.
Mittwoch, 17. Juni 2009
"Bildungsstreik" in Hessen: arrogante CDU
Die Protestaktionen zur bundesweiten "Bildungsstreik"-Woche haben in Hessen heute ihren Höhepunkt erreicht. In Kassel, Frankfurt, Wiesbaden, Darmstadt, Bensheim gingen Schüler und Studierende auf die Straßen, um für bessere Bildungschancen sowie mehr Geld fürs Bildungssystem und eine bessere Strukturierung desselben zu demonstrieren.
In Marburg hatten Studierende in der Nacht zum Mittwoch ein Verwaltungsgebäude der Universität besetzt. Rund 50 Demonstranten belagerten das Gebäude im Anschluss an eine studentische Vollversammlung mit etwa 1000 Teilnehmern. Die Polizei vermittelte zwischen den Besetzern und der Leitung der Universität. Am Mittwochnachmittag verließen auch die letzten Besetzer ihre Posten.
An den Universitäten wird vor allem die Modularisierung mit der Einführung der Bachelor- und Master-Studiengänge (Stichwort Barcelona-Prozess) kritisiert, die nur zum Auswendiglernen ausbilde, aber nicht zum selbstständigen Denken im Sinne einer humanistischen Bildung, so die Kritik. Bei den Schülern richtet sich der Protest vor allem gegen die verkürzte Gymnasialzeit (G8). Außerdem forderten die Demonstranten freie Schulwahl, kleinere Klassen und eine bundesweite Abschaffung von Studiengebühren. „Warum gibt der Staat so viel Geld bei Opel aus und spart bei der Bildung?“, fragte ein Sechstklässler von der Wiesbadener Gutenberg-Schule.
Bereits am 12. November 2008 hatten mehrere tausend Schüler aus Südhessen in Frankfurt gegen das "verkochte Bildungssystem" demonstriert. Zu den Forderungen der Demonstranten gehörte unter anderem kostenfreie Bildung für alle, mehr qualifizierte Lehrkräfte, mehr Mitspracherecht in der Schule und die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems. Schon dort richtete sich der Protest gezielt an die Adresse von Ministerpräsident Roland Koch und die Schulpolitik seiner Landesregierung.
Viele Schüler wollen nach wie vor die Rücknahme von G8, die Kochs ehemalige Kultusministerin Karin Wolff zu verantworten hat und sind genervt vom stetigen Umbau des Schulsystems unter sechs Jahren CDU-Regierung vor 2008: Zentralabi, Unterrichtsgarantie Plus, die Verkürzung der Zeit auf dem Gymnasium auf acht Jahre (G8) und die sogenannten Schub-Klassen zur besseren Vernetzung von Unterricht und Berufspraxis hat die CDU im Laufe ihrer Regierungszeit durchgesetzt.
Daran will die CDU auch in einer Koalition mit der FDP unter einer gelben Kultusministerin Dorothea Henzler größtenteils weiter festhalten: Das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium, Real- und Hauptschule soll bleiben. Die Schub-Klassen an den Hauptschulen, bisher nur ein Modell, sollen fester Bestandteil werden. Nach harscher Kritik vor allem an G8 war Kultusministerin Karin Wolff (CDU) im Frühjahr 2008 zurückgetreten. Ihr Nachfolger Jürgen Banzer lockerte das Korsett für das Modell der gymnasialen Oberstufe: Er stellte im Juli 2008 sein 11-Punkte-Programm vor, mit dem der G8-Lehrplan entschärft werden sollte.
Damit können die Schulen theoretisch selbst entscheiden, ob sie acht oder neun Jahre bis zum Abitur vorgeben wollen und mit welchem Lehrplan. Freiraum für den Schulalltag war das erklärte Ziel. In der Praxis funktioniere das aber nicht, auch fehlten immer noch Stellen für Lehrer, Sozialpädagogen und Verwaltungskräfte, sowie Geld für Baumaßnahmen und Lehrmittel an den Schulen, so die Kritik von Schülern, Lehrern, Eltern und Verbänden.
Der bildungspolitische Sprecher der Hessen-CDU im Landtag, Hans-Jürgen Irmer, verurteilte die Streiks. Linksradikale Organisationen instrumentalisierten die Schüler für ihre antidemokratischen Zwecke: „Alles, was das linksextremistische Spektrum in Deutschland zu bieten hat, nutzt den Streik für Krawalle.“ Unter dem Deckmantel der Bildungspolitik werde ideologische Stimmungsmache betrieben. Die Hessen-CDU würde gut daran tun, den Protest mal lieber ernst zu nehmen und mit so einer arroganten Haltung nicht auch noch dem Bundestagswahlkampf zu schaden. Interessant auch die Einschätzung, dass, wer auf die Straße geht und von seinem bürgerlichen Grundrecht Gebrauch macht, gleich in die linksradikale Ecke gesteckt wird. Wahrscheinlich sind die vielen Erzieherinnen und Sozialarbeiter, die derzeit streiken, auch versteckte Linksradikale und werden ab morgen, wenn die Verhandlungen in Fulda scheitern sollten, sofort Steine werfen und die Kitas anzünden...
Montag, 4. Mai 2009
Lambda Istanbul wird doch nicht verboten
Jetzt, nach mehreren Prozesstagen im Verfahren, kann diese Nachricht wohl relativiert werden. Der Lesben- und Schwulen-Verband Deutschlands schreibt dazu am 30.04.2009:
"Soeben haben wir in einem Telefonat mit Lambda Istanbul erfahren, dass
die erneute Verhandlung über das Verbot von Lambda Istanbul glimpflich
ausgegangen ist. Das Istanbuler Bezirksgericht hat die Organisation
nicht verboten. Die Freundinnen und Freunde sind mit dem "guten Urteil"
sehr zufrieden. Wir gratulieren ihnen zu diesem Erfolg!
Lambda
Istanbul wird jetzt zunächst einmal die schriftliche Urteilsbegründung
abwarten. Die Istanbuler Verwaltung (der Gouverneur) hat die
Möglichkeit, gegen das heutige Urteil beim Obersten Gerichthof
vorzugehen. Lambda Istanbul geht allerdings nicht davon aus, dass das
geschieht. Da ihnen aber das Werben für Homosexualität untersagt sei,
können sie z. B. keine Projekte in Schulen durchführen. Tun sie es
dennoch, drohe ihnen wieder ein Verbot."
Sonntag, 22. März 2009
"Am Ende des Tunnels": ZEIT Print und Online gekapert
150.000 gedruckte Exemplare mit jeweils acht Seiten wurden am Samstag in ganz Deutschland verteilt, davon allein in Berlin 10.000. Aber auch online unter der - scheinbar vom Holtzbrinck-Verlag nicht gesicherten URL - www.die-zeit.net haben Netzfrickler von attac sehr gekonnt die Internetpräsenz von Deutschlands größter Wochenzeitung kopiert und mit eigenen Inhalten versehen.
Es geht um einen Tag im Jahr 2010: Klimasünder werden zur Kasse gebeten, die G20-Staaten einigen sich auf globale Steuern und eine Vermögensabgabe, ein internationaler Fernsehsender überträgt weltweit soziale Aktionen, der Einfluss von Lobbyisten wird per Gesetz beschränkt, Opel ist in Belegschaftshand. Und ein zielsicher gefälschtes Video eines "Tagesthemen"-Beitrags ist auch dabei.
Vorbild war übrigens das Kapern der "New York Times" letztes Jahr zur Präsidentenwahl durch "The Yes Men" am 4. Juli 2008.
Freitag, 20. März 2009
Heute ist "Equal Pay Day"
Die Organisatorinnen des zweiten deutschen "Equal Pay Day" haben errechnet, dass bei durchschnittlich 23 Prozent weniger Verdienst Frauen bis zum 20. März gearbeitet haben müssen, um das gleiche Gehalt zu haben wie Männer bereits am 31.12.2008. Anders ausgedrückt: Die Mädels müssen ständig fast ein Drittel mehr an Arbeit leisten als die Jungs, um auf das gleiche Gehaltsniveau zu kommen - bei weniger Sozialleistungen (was für Ehefrauen vielleicht noch halbwegs in Ordnung ist).
Dort, wo nach Tarif gearbeitet wird, so wie bei mir, gibt es diesen horrenden Unterschied Gott sei Dank nicht. Dafür aber keine einzige Frau in der Chefetage...
Dienstag, 10. März 2009
1 Minute für die Pressefreiheit und einen afghanischen Journalisten
Die Organisation "Reporter ohne Grenzen" bangt um das Leben des afghanischen Journalisten Sayed Perwiz Kambachsch. ROG schreibt dazu: "Er wurde Anfang 2008 zum Tod durch Erhängen verurteilt. Sein Vergehen? Er verbreitete einen Artikel aus dem Internet, in dem die Rolle der Frau im Islam kritisch diskutiert wurde. Seit seiner Festnahme sorgen wir für internationale Öffentlichkeit. Einen ersten Erfolg erreichten wir im Oktober 2008. Das Urteil wurde in 20 Jahre Haft umgewandelt. Doch der Richterspruch bleibt schockierendes Unrecht. Deshalb setzen wir uns weiter für Kambachschs sofortige Freilassung ein. Wir unterstützen und beraten seine Familie und führen eine zweite Petition für seine Freilassung an den afghanischen Präsidenten durch."
Bitte nehmt euch deshalb eine Minute für die Pressefreiheit und unterzeichnet die Petition. - Danke!
Montag, 23. Februar 2009
Wie zeitgemäß ist die katholische Kirche noch?
Der Wirbel im Vatikan um den inzwischen so genannten Williamson-Konflikt ist nicht die einzige Angelegenheit, die derzeit die katholische Amtskirche erschüttert. Wirbel gibt es auch um Äußerungen des Fuldaer Bischofs Heinz Josef Algermissen (Selbstdarstellung) zum Thema Homosexualität: Der Oberhirte hatte vor kurzem laut Medienberichten bei einer Diskussion mit Jugendlichen Schwulen- und Lesbenhochzeiten als „abartig“ bezeichnet. Daraufhin hatte ihn der Grünen-Bundespolitiker Volker Beck scharf kritisiert und die
Deutsche Bischofskonferenz aufgefordert, Bischof Algermissen für diese „Diffamierung“ zurechtzuweisen. Der gescholtene Geistliche reagierte prompt und sagte laut einer Stellungnahme, er hätte „unter Verweis auf die katholische Morallehre“ einer Eheschließung zweier
gleichgeschlechtlicher Partner und dem Recht Homosexueller auf Adoption von Kindern „eine klare Absage erteilt“.
Zu Williamson sagte der Papst unlängst, die katholische Kirche lehne grundsätzlich und unumstößlich alle Formen von Antisemitismus ab: "Dieses fürchterliche Kapitel in unserer Geschichte darf nie in Vergessenheit geraten." Leider vergisst der Papst dabei, dass die Verfolgung von Homosexuellen leider auch zu diesem sehr umrühmlichen Kapitel deutscher Geschichte gehört. Man würde gerne hören, dass die katholische Amtskirche sich hier auch eindeutig mal gegen andere Formen der Diskriminierung ausspricht.
Die deutsche Legislative - oder sollte man besser sagen: der deutsche Alltag? - straft den Papst derweil Lügen, denn Bundesjustizministerin Brigitte Zypries wertet gerade eine Studie zur Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aus und bereitet damit einen Gesetzesentwurf für Sommer vor, der Lesben und Schwulen volle Adoptionsrechte gewähren soll.


