Donnerstag, 21. Mai 2009
Der neue *schwule* Weg im Fußball
Der Fernsehsender DSF hat nachgelegt!
Nach der preisgekrönten Reportage im letzten Jahr wurde jetzt - am 19. Mai 2009 - eine weitere Reportage ausgestrahlt: "Tabubruch - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball". Sie zeichnet die Entwicklungen zum Thema "Homosexualität im Fußball", die im letzten Jahr stattgefunden haben, nach.
Demnach will der DFB noch im Jahr 2009 ein Länderspiel unter der Thematik Homophobie im Fußball stellen. In Person des Präsidenten Dr. Theo Zwanziger wird erstmals auf eine offene und progressive Weise das Thema Homosexualität im Fußball umgesetzt und damit eine Zeitenwende eingeläutet. Beim Christopher Street Day in Köln 2008 wurden erstmals Gelder vom DFB bereit gestellt. Immerhin der größte seiner Art in Europa.
Als Fan des VfB Stuttgart bin ich natürlich auch ein bisschen stolz, dass der VfB ebenfalls in der ersten Reihe der Befürworter dieser Kampagne steht. VfB Präsident Erwin Staudt wird Schirmherr des Christopher Street Days 2009 in Stuttgart sein und in diesem Rahmen auch öffentliche Reden halten. Ein wirklich tolles und begrüßenswertes Engagement!
Jetzt soll auch das Buch des ehemaligen Fußballprofi Marcus Urban: "Versteckspieler", das letztes Jahr im Oktober herauskam, verfilmt werden.
Etwas bewegt sich in Fußballdeutschland und das ist wichtig! Meiner Meinung nach kann man die Vorbildfunktion, die öffentliche Diskussion und damit auch die Toleranz gegenüber Minderheiten, die mit einem Coming Out eines Fußballspielers (oder z.B. auch von mehreren Fußballspielern gleichzeitig) gar nicht hoch genug bewerten. Aufgrund des extrem hohen Stellenwerts des Fußballsports in Deutschland, seines gesellschaftlichen, kulturellen und auch politischen Einflusses, wäre das eine echte Chance für mehr Toleranz in diesem Land.
Mit dieser angestossenen öffentlichen Diskussion befindet sich Deutschland was das Thema Homosexualität im Fußball betrifft, im Vergleich zu anderen Ländern in Europa, in denen Fußball einen ähnlichen Stellenwert hat, auf einer Vorreiterposition.
Nach der preisgekrönten Reportage im letzten Jahr wurde jetzt - am 19. Mai 2009 - eine weitere Reportage ausgestrahlt: "Tabubruch - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball". Sie zeichnet die Entwicklungen zum Thema "Homosexualität im Fußball", die im letzten Jahr stattgefunden haben, nach.
Demnach will der DFB noch im Jahr 2009 ein Länderspiel unter der Thematik Homophobie im Fußball stellen. In Person des Präsidenten Dr. Theo Zwanziger wird erstmals auf eine offene und progressive Weise das Thema Homosexualität im Fußball umgesetzt und damit eine Zeitenwende eingeläutet. Beim Christopher Street Day in Köln 2008 wurden erstmals Gelder vom DFB bereit gestellt. Immerhin der größte seiner Art in Europa.
Als Fan des VfB Stuttgart bin ich natürlich auch ein bisschen stolz, dass der VfB ebenfalls in der ersten Reihe der Befürworter dieser Kampagne steht. VfB Präsident Erwin Staudt wird Schirmherr des Christopher Street Days 2009 in Stuttgart sein und in diesem Rahmen auch öffentliche Reden halten. Ein wirklich tolles und begrüßenswertes Engagement!
Jetzt soll auch das Buch des ehemaligen Fußballprofi Marcus Urban: "Versteckspieler", das letztes Jahr im Oktober herauskam, verfilmt werden.
Etwas bewegt sich in Fußballdeutschland und das ist wichtig! Meiner Meinung nach kann man die Vorbildfunktion, die öffentliche Diskussion und damit auch die Toleranz gegenüber Minderheiten, die mit einem Coming Out eines Fußballspielers (oder z.B. auch von mehreren Fußballspielern gleichzeitig) gar nicht hoch genug bewerten. Aufgrund des extrem hohen Stellenwerts des Fußballsports in Deutschland, seines gesellschaftlichen, kulturellen und auch politischen Einflusses, wäre das eine echte Chance für mehr Toleranz in diesem Land.
Mit dieser angestossenen öffentlichen Diskussion befindet sich Deutschland was das Thema Homosexualität im Fußball betrifft, im Vergleich zu anderen Ländern in Europa, in denen Fußball einen ähnlichen Stellenwert hat, auf einer Vorreiterposition.
Samstag, 20. Dezember 2008
Das Britische Pfund im freien Fall
Als ich im Juni 2007 nach Großbritannien kam, lag das Pfund bei ca. 1,47 €. Im Sommer 2008 dümpelte es bei 1,25 € herum, seit Mitte November ist es im freien Fall.
Gestern war das vorübergehende Rekordtief, da lag das Britische Pfund zeitweise bei 1,04 €.
Premierminister Gordon Brown gibt Durchhalteparolen aus, nach dem Motto:
Mit unserem kämpferischen Geist und unserer Can-Do-Haltung schaffen wir es.
Die britische Wirtschaft ist noch stärker auf dem absteigenden Ast als die deutsche oder europäische. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Pfund weiter sinken wird und wäre nicht verwundert, dass, wenn ich aus den Weihnachtsferien in Deutschland zurück kehre, der EURO das Pfund überholt hätte.
Wer aber glaubt, dass die Briten deshalb über einen EURO-Beitritt nachdenken, der hat sich getäuscht. Angeblich, so die ARD, sind mind. 70 % der Briten immer noch dagegen, das Pfund ist ihnen heilig. Ich gehe nicht davon aus, dass die Briten die Währung nicht freiwillig wechseln, selbst wenn das Pfund bei unter 80 Cent ankommt - was mich nicht überraschen würde.
Auch der Dollar bleibt stabil. Das Pfund war im Sommer noch rund 2,00$ wert, hat jetzt fast ein Viertel dieses Wertes eingebüßt und steht zur Zeit bei 1,49$. Den Chinesen sei Dank, die den Amis durch ihre Währungsreserven die Wirtschaft retten.
Das alles ist ja nicht soo dramatisch, außer man muss zum Beispiel deutsche BAföG-Schulden oder ähnliches - wie ich - abzahlen. Eine Arbeitskollegin hat darüber nachgedacht nach Luxemburg auszuwandern: hohe Löhne, billiges Benzin, billige Zigaretten, niedrige Arbeitslosigkeit, EURO-Währung. Naja, wegen der Währung umziehen? Das wär mal ein interessantes Reisemotiv...
Geschrieben von Stan Weis
in Reisen
um
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Zuletzt bearbeitet am 20.12.2008 01:25
Samstag, 13. Dezember 2008
Geschenkt: 500 Euro für Jedermann!
Ich hatte mir vor einigen Wochen überlegt, was ich mit meinen 500 geschenkten Euro machen würde. Das Einzige was mir einfiel, war, dass ich meine BAföG Schulden abzahlen könnte.
Hmm, aber dann habe ich gelesen: 500 Euro gibt es nur, wenn man selbst den gleichen Betrag dazu tut und erst dann - so die Logik der Politik - soll man für 1000 Euro die Binnenwirtschaft ankurbeln. Vielleicht darf man die 1000 Euro nicht für's Sparen benutzen? - Mein BAföG wäre damit bezahlt. Aber habe ich 500 Euro einfach so übrig? Wahrscheinlich eher nicht.
Die ZEIT hat es ausprobiert. In der Hamburger Fußgängerzone hat sie 50 Leute angesprochen mit der Frage: "Darf ich Ihnen 500 Euro schenken?" Aber nur, wenn die Menschen 500 Euro selbst dazu legen. Das Ergebnis:
48 von 50 haben Nein gesagt. 23 haben gesagt "wofür sollen wir jetzt auf die Schnelle 1000 Euro ausgeben?" - Das heißt, sie haben schon alles. Die ZEIT schreibt:
Ein englischer Ökonom formulierte das Prinzip dahinter schon vor 70 Jahren: Wer sehr reich sei, gebe vergleichsweise wenig aus, sein Bedarf sei gestillt. Wer sehr arm sei, konsumiere ebenfalls wenig, weil er sich nichts leisten könne.
John Maynard Keynes sagte das, 1936. Die 25 anderen, die die 500 Euro abgelehnt haben, hatten zusätzlich 500 Euro einfach nicht übrig - obwohl sie alle möglichen Sachen hätten brauchen können.
Bleiben also zwei. Der eine handelt nach der Theorie Milton Friedmans und Maggie Thatchers. Milton Friedman war der Verfechter des Liberalismus, bekam für diese Theorie 1976 den Nobelpreis. Maggie Thatcher setzte diese Idee in den 80er Jahren in England zeitgleich mit Ronald Reagan in den USA um: Jeder Mensch wird in jedem Moment den maximalen ökonomischen Nutzen aus der Situation ziehen - der eine geht nämlich zum Juwelier und kauft einen Diamantring für 1000 Euro, mit dem Ziel ihn irgendwann wieder zu verkaufen. Dumm nur, dass weder Frau Thatcher noch Herr Friedman und auch Ronald Reagan mit dieser Theorie falsch lagen. Die wenigsten denken maximal-ökonomisch in jeder Situation.
Der andere gibt zwar Geld aus, spart aber trotzdem. Er kauft nämlich für 1000 Euro verschiedenste Gutscheine in sämtlichen Läden. Damit gibt er zwar das Geld aus, verlegt es aber in die Zukunft. Irgendwann wird er eine Hose oder ein Buch kaufen und benutzt dann einen Gutschein.
2 von 50 die die Wirtschaft ankurbeln, aber auch nicht wirklich, da sie gar nicht direkt konsumieren, sondern entweder investieren, um wieder zu verkaufen oder durch einen Trick das Ausgegebene "ansparen".
Ich kann ja verstehen, dass es unfair wäre, wenn ich mit geschenktem Steuergeld BAföG bezahle, dass von Steuergeld bezahlt wurde. Ich würde ungerechtfertigterweise den Staat besch...
Geschrieben von Stan Weis
in power to the people
um
16:07
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Zuletzt bearbeitet am 13.12.2008 17:41
Samstag, 25. Oktober 2008
Mein Tipp: Kyle XY auf YouTube und im Fernsehen
Science-Fiction mag ich nicht. Aber Kyle XY ist Teenage-, Mystery- und Familienserie in einem. In den USA ein Hit, ist sie in Deutschland praktisch unbekannt und vegetiert auf einem verlorenen Sendeplatz vor sich hin (PRO 7, Sonntags nachmittags). Zu Unrecht wie ich finde!
Auf youtube.com kann man alle Folgen - im Original - anschauen.
Die Serie dreht sich um einen 16-jährigen Jungen, Kyle, der künstlich erschaffen (und deshalb ohne Bauchnabel), aber Mensch ist, eines Tages nackt im Wald erwacht, sich an nichts erinnert und in die Familie seiner Psychologin aufgenommen wird. Er ist extrem intelligent, ein Genie, aber er muss soziales Leben und seinen Körper kennen lernen. Es geht um das Leben als Teenager, in Schule, Familie, vor allem aber geht es darum herauszufinden woher er kommt und wer er ist.
Wie viele dieser TV-Serien bestehen sie aus markigen, humorvollen Dialoge, verwöhnten Teenagern und gestressten Eltern. In der ersten Staffel werden Familien- und Teenagerthemen in den Vordergrund gestellt, während die zweite Staffel sich hauptsächlich darum dreht, wie Kyle seine außergewöhnlichen Fähigkeiten besser nutzen kann, die Mysterythemen kommen mehr zur Geltung.
In den USA wurde die Serie auf ABC Family, einem privaten Kanal, zuerst ausgestrahlt und wurde im Sommer 2006 ein Überraschungserfolg. Sie schafft es durch ein absolut überzeugendes Skript mit einem sehr gut aufgebauten Spannungsbogen (in der zweiten Staffel etwas schwächelnd), einem hervorragend ausgeklügelten Hauptcharakter, Kyle, blendend gespielt von Matt Dallas, der zufällig ein absoluter Hingucker ist und in den USA langsam zum Star avanciert, emotional zu berühren und in den Bann zu ziehen. Dazu kommen gute Nebendarsteller und natürlich der Mystery-Effekt.
Auf einer tieferen Ebene geht es - da für den Familienkanal produziert - um die Stärke und den Zusammenhalt von Familie und der Tatsache, dass auch Genies, die alles können, ohne die Liebe ihrer Mitmenschen zu nichts fähig sind. Ein großartiges Thema, großartige Darsteller und ein intelligentes Skript versprechen gute Unterhaltung.
Wie gesagt, mit Science Fiction oder Mystery kenne ich mich nicht aus, deshalb schaut euch diese englische Rezension and, die kritisch und gut ist.
Geschrieben von Stan Weis
in homo sapiens sapiens
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23:26
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Zuletzt bearbeitet am 26.10.2008 00:22
Freitag, 10. Oktober 2008
Deutsche Afghanistan-Frage - Die Propaganda läuft
Mandate
Der Einsatz der deutschen Bundeswehr in Afghanistan stützt sich auf drei Mandate:1
Das soll beschlossen werden:
Propaganda läuft
Der Auslands-Korrespondent und preisgekrönte Journalist Ulrich Tilgner hat nach über 25 Jahren Berichterstattung für das ZDF den Sender Anfang Januar 2008 verlassen und arbeitet fortan nur noch für das Schweizer Fernsehen SF. In einem Interview mit dem tagesspiegel sagt er: "Deutsche Afghanistan-Frage - Die Propaganda läuft" vollständig lesen
Der Einsatz der deutschen Bundeswehr in Afghanistan stützt sich auf drei Mandate:1
- Zwei Mandate, die sich auf den Einsatz der Nato-Schutztruppe ISAF beziehen: diese sollen die afghanische Regierung unterstützen, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Diese Mandate unterliegen den Vereinten Nationen.
- Das Mandat der "Operation Enduring Freedom" (OEF): Grundlage ist das Selbstverteidigungsrecht der USA nach dem 11. September 2001. Am 12. September hat der UN-Sicherheitsrat dies bestätigt, den Bündnisfall der NATO mit eingeschlossen.
Das soll beschlossen werden:
- Mehr Soldaten: statt 3.500 werden künftig 4.400 deutsche Soldaten in Afghanistan stationiert.2
- Größeres Einsatzgebiet: Fernmelder, Lufttransporter und sogenannte Operative Information-Soldaten sollen in ganz Afghanistan eingesetzt werden können.3
Diese Einheiten sollen - ähnlich wie das bei den Tornados bereits der Fall ist - nicht nur in Nordafghanistan, sondern auch im Süden und Südosten des Landes eingesetzt werden. Damit steigt die Gefahr für Leib und Leben der Soldaten. Und damit wiederum verstärkt sich der "Zwang", künftig weitere Kampftruppen an den Hindukusch zu entsenden.
Propaganda läuft
Der Auslands-Korrespondent und preisgekrönte Journalist Ulrich Tilgner hat nach über 25 Jahren Berichterstattung für das ZDF den Sender Anfang Januar 2008 verlassen und arbeitet fortan nur noch für das Schweizer Fernsehen SF. In einem Interview mit dem tagesspiegel sagt er: "Deutsche Afghanistan-Frage - Die Propaganda läuft" vollständig lesen
Geschrieben von Stan Weis
in power to the people
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10:52
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Zuletzt bearbeitet am 10.10.2008 15:28
Donnerstag, 25. September 2008
Was wollen wir in Afghanistan? - Weiter so!
Am 7. Oktober will der Bundestag über den Einsatz der deutschen Truppen in Afghanistan weiter entscheiden. Das Mandat der NATO-Truppe läuft am 13. Oktober aus.
Die Zeit brachte am 11. September ein Dossier zu diesem Thema, das deshalb interessant zu lesen ist, weil es den SPD-Politiker Niels Annen portraitiert, der zum linken Flügel der SPD gehört. Er war einige Jahre Bundesvorsitzender der Jusos, hat nach 26 Semestern Geschichte das Studium abgebrochen. Ohne Berufsabschluss, hat er alles auf die Politik gesetzt und seinen Wahlkreis in Hamburg-Eimsbüttel gewonnen. Er ist 35, das jüngste SPD-Mitglied im Auswärtigen Ausschuss.
Er besucht verschiedene Stationen, unter anderem 25 deutsche Soldaten in Kandahar, im Süden Afghanistans. Sie sind Fernmelder, die "Telefonzentrale des Camps", ziehen Kabel und bedienen Computer. Und der Major fragt ihn:
"Was machen wir bei den anderen nur für einen Eindruck? Alle fahren raus, auch die Polen und die Rumänen. Nur wir nicht."
Annen fühle sich von den Amis gemobbt, die auf dem Nato-Gipfel in Bukarest darauf drängten, dass die Deutschen mehr Macht übernehmen. 2010 endet das niederländische Mandat in Afghanistan und auf die Fragen von holländischen Soldaten, ob die Deutschen dann nicht doch bereit wären in den Süden zu gehen, antwortet er lieber nicht.
Alles nur ein Billardspiel
Annen hatte im Juni öffentlich erklärt, er sei dafür, dass die Deutschen die Quick Reaction Force übernehmen, woraufhin Steinmeier ihn anrief und "Danke" sagte. Die Zeit schreibt:
Man muss sich das alles wie ein Billardspiel vorstellen, bei dem jede Kugel über wenigstens eine Bande zu laufen hat: Der Kanzlerkandidat Steinmeier vom Parteiflügel der Agenda-2010-Erfinder bedankt sich bei Annen von der Parlamentarischen Linken für die Solidarität in der Afghanistanfrage, nach dem Schulterschluss gewinnt die Parlamentarische Linke noch vor der Verlängerung des Afghanistanmandats Verhandlungsmacht, die der Außenminister schon deshalb nicht ignorieren kann, weil er Kanzler werden will.
So ist zu erklären, warum der Agenda-Mann Steinmeier den Agenda-Gegner Annen in der Regierungsmaschine mitnehmen wollte, als der Minister Ende Juli in sehr kleiner Runde für drei Tage nach Afghanistan aufbrach. Eigentlich war das eine dieser Blitzreisen, die zu nichts führen außer zu lapidaren Händedruckfotos, und Niels Annen wusste sofort, dass er pausenlos Steinmeier hinterherhecheln würde, statt sich ein eigenes Bild über Afghanistan zu machen, aber er konnte unmöglich Nein sagen. Man kann daraus schließen, dass ein Politiker, der nach Afghanistan fährt, nicht unbedingt nach Afghanistan will, sondern nach oben.
Ein Linker, der den Regeln der Parteipolitik so unterworfen ist, weil er alles auf die Politik gesetzt hat und weiter oben mitmischen will, muss deshalb mit einem "Weiter so" stimmen. Auch wenn es Augenwischerei ist. Er selbst sagt in Kabul:
"Wir reden zu Hause immer von Erfolgen, aber jetzt kann ich hier nicht einmal allein auf die Straße. Das ist schon traurig, wenn man ehrlich ist."
Er tut nichts
Zurück in Hamburg sagt er Sätze wie "Rückzug ist keine Lösung", oder "Wir müssen uns verantwortlich verhalten gegenüber den Afghanen, die auf uns bauen." Sätze, die zwar schön klingen, aber nichts bringen, weil sie weder Fisch noch Fleisch sind. Ein "Nein" in der Afghanistanfrage ist zu riskant für die SPD, wenn sie die Bundestagwahlen nächstes Jahr gewinnen will, noch dazu mit einem Außenminister als Kanzlerkandidat. Die Zeit schreibt in ihrem Artikel schlussfolgernd:
Niels Annen könnte von Steuern erzählen, die niemand zahlt, von einem Staat, den niemand spürt, er hat genug erfahren, um sich in Hamburg auf einen Marktplatz zu stellen und in ein Megafon zu brüllen, dass Afghanistan eine Aufgabe für Dekaden sein wird, eine Jahrhundertaufgabe vielleicht. Er müsste es tun, damit jeder die Wucht des Problems spüren kann. Aber er tut es nicht.
Geschrieben von Stan Weis
in power to the people
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19:04
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Zuletzt bearbeitet am 25.09.2008 20:14
Samstag, 21. Juni 2008
Im Fussball-Ausland: Die EM bewegt in England nichts
Stell' dir vor es ist Fussball-Europameisterschaft und Deutschland ist nicht dabei - Unvorstellbar!
Doch diesen Zustand erlebt zur Zeit England. Überall in Europa ist EM, nur nicht in England. Es ist schon ein Jammer: ein Volk, das mit zu den fussballverrücktesten zählt, feiert nicht mit. In ganz London gibt es kein Public Viewing, keine Fan-Devotionalien sind zu kaufen, niemand feiert auf den Straßen, keine Party am Trafalgar Square. Wenn man durch die Straßen der größten Metropole Westeuropas geht, fühlt es sich so an, als ob das Land mit der stärksten Fussballliga geradezu in einem Dauer-Lähmungszustand sich befindet. Wäre die EM in England, dann würden die Menschen in die Pubs strömen. Angeblich 50% - 75% mehr Umsatz könnten die Pub-Betreiber dann machen. Die Engländer, die in diesen Tagen Fussball schauen wollen, sitzen daheim vor dem Fernseher.
Bitterste Tiefpunkt englischer Fussballgeschichte
Für England war es "one of the lowest points in history of english football", also einer der bittersten Tiefpunkte in der englischen Fussballgeschichte. Es wurde ausgerechnet wieviele Milliarden der englischen Wirtschaft durch die Nicht-Teilnahme Englands verloren geht. Allein William Hill, das größte Sportwetten-Unternehmen Großbritanniens, hatte bei der EM 2004 mehr als 100 Mio. Pfund umgesetzt. Dieses Jahr wird dieser Betrag mit Sicherheit kleiner ausfallen. Auch weil ja Nordirland, Wales und Schottland sich ebenfalls nicht qualifizierten.
Die Gewinner sind Russland und Kroatien. England wurde in der Qualifikation nur Dritter hinter diesen beiden, nach einer 3:2 Niederlage gegen Kroatien in Wembley. Jetzt werden eben dort die entsprechenden Gelder umgesetzt. Das wir uns nicht falsch verstehen, wer solche Tore schießt, der hat es nicht verdient unter die besten 16 in Europa zu kommen. Zurecht sind Russland und Kroatien ins Viertelfinale eingezogen.
Als Ausländer im Fussball-Ausland
Aber wie hält man das als Ausländer, als Deutscher, aus? Schwer.
Die Pubs in London sind leer, der Vorteil ist: man muss nicht befürchten keinen Platz mehr zu bekommen, wenn man sich entschließt 1 Minute vor Spielanpfiff in ein Pub zu trödeln. Aber dafür wünschte man sich etwas mehr Atmosphäre. Wenn am Mittwoch nächster Woche die Fan-Meile in Berlin wieder eröffnet wird - endlich - und das Traumhalbfinale Deutschland-Türkei in der Stadt gefeiert wird, in der nirgendwo sonst mehr Türken und Deutsche nebeneinander wohnen, dann wünschte man sich, man lebte in London und England wäre dabei und es gäbe Public Viewing. Man wünschte sich, dass zumindest die von ARD und ZDF angebotetenen Internet-Live-Übertragungen sowie Vor- und Nachberichte nicht wegen rechtlichen Gründen aus dem Ausland nicht empfangbar sind. Man wünschte sich mehr deutsche Pubs.
Die deutschen Enklaven in London sind rar gesät und entweder völlig überfüllt oder es wird 10 Pfund Eintritt verlangt. Die 40.000 Deutschen in London verteilen sich auf die 5.000 Pubs und es kommt keine Stimmung auf.
England für Deutschland?
Nach dem Viertelfinalspiel Kroatien-Türkei konnte man neben den ständigen Sirenen der Krankenwagen tatsächlich, zum ersten Mal, hupende Autos mit türkischen Fahnen umher fahren sehen. Als Deutscher wagt man das hier nicht.
Man muss im Gespräch mit Engländern nur das Stichwort sagen und die Atmosphäre fällt auf den Gefrierpunkt. Der englische Sportkommentator hat sich sogar beim Spiel Kroatien-Türkei entschuldigt dafür, dass er England erwähnte: 'das war das letzte Mal für heute Abend, versprochen', meinte er kleinlaut. Die BBC und ITV übertragen die Spiele, Gott sei Dank! Auch im Internet. Aber mit minimalem Aufwand. 15 Minuten davor und danach wird kurz über das Spiel gesprochen. Und ich traute meinen Ohren kaum, als der englische Fussballkommentator mit Deutschland sympatisierte. "Deutschland wird die Türkei im Halbfinale besiegen", sagte da einer.
Vielleicht werde ich mal zum Trafalgar Square gehen. Beim Finale. Jubeln. Einfach so.
Geschrieben von Stan Weis
in Sport
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00:56
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Zuletzt bearbeitet am 21.06.2008 06:23
Freitag, 13. Juni 2008
Die Iren sagen Nein!
Rund 110.000 Wähler machten den Unterschied am Donnerstag, 12. Juni 2008. Die Iren stimmten gegen den Reformvertrag von Lissabon. Irland war das einzige Land, das ein Referendum darüber veranstaltete. 53% stimmten dagegen, 46% dafür. 2,8 Mio. Wahlberechtigte, 53 % Wahlbeteiligung. 1
Nach Berichten von heise.de, hat die Irish Times im April einen Artikel abgedruckt, wonach es wohl 'Vorschläge' der EU gab für eine Werbekampagne, um die irische Bevölkerung zu überzeugen, dem Vertrag zuzustimmen:
Genau dieses war jedoch einer der Gründe für die Ablehnung: ein Vertragswerk, das der irische Europaminister Dirk Roche ein "prosaisches Dokument" nennt. Sein Ministerium allein hatte 5 Mio. Euro in eine Werbekampagne gesteckt, Politiker sind durchs ganze Land getingelt, Bertie Ahern hatte Sarkozy und Merkel eingeladen. Das war bevor er wegen eines Korruptionsskandals sein Amt als Premierminister im April niederlegen musste. Alle großen Parteien hatten sich im Vorfeld auf einen "Waffenstillstand" geeinigt und es gab sogar zwischenzeitlich Pläne, eine zweite Volksabstimmung zum 'Schutz der Kinder in der Verfassung', am selben Tag abzuhalten. 2 3 4
Die Vertragsgegner, das Libertas-Bündnis, machten ihren Namen zum Programm: weniger Freiheit für Irland und mehr Bestimmung durch die Europa-Kommission würden die Folgen für Irland sein. Gerade im Bereich der Einfuhrzölle in der Landwirtschaft, die die EU plant zu senken und gleichzeitig große Agrarkonzerne gegenüber kleineren begünstigt, würden dem ländlich geprägten Irland nicht gefallen.
Dabei muss man berücksichtigen, dass steigendes Wirtschaftswachstum und stabil niedrige Arbeistlosenzahlen die Iren in den letzten Jahren gewohnt waren. Nun hat Irland nicht nur unter hoher Jugendarbeitslosigkeit zu leiden, sondern auch unter geringem Wirtschaftswachstum und die Immobilienpreise sinken, wie in den USA und in Großbritannien. Dazu kommen steigende Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel. 5
Der Libertas Gründer, Declan Ganley, sagte zu dem Votum:
Wie recht er hat. Viele Europaer hätten es den Iren nachgemacht und sich ebenso gegen den Vertrag von Lissabon entschieden, hätte man sie nur endlich mal gelassen!
Nach Berichten von heise.de, hat die Irish Times im April einen Artikel abgedruckt, wonach es wohl 'Vorschläge' der EU gab für eine Werbekampagne, um die irische Bevölkerung zu überzeugen, dem Vertrag zuzustimmen:
Die irische Regierung sollte den Interna zufolge den "Focus der Kampagne" auf die EU allgemein und nicht auf den Vertrag legen. Den Gesetzesentwurf zu lesen, der "für Laien weitgehend unverständlich" sei, hätten die meisten Iren ohnehin keine Zeit, weshalb sie bei der Abstimmung "den Politkern folgen, denen sie vertrauen."
Genau dieses war jedoch einer der Gründe für die Ablehnung: ein Vertragswerk, das der irische Europaminister Dirk Roche ein "prosaisches Dokument" nennt. Sein Ministerium allein hatte 5 Mio. Euro in eine Werbekampagne gesteckt, Politiker sind durchs ganze Land getingelt, Bertie Ahern hatte Sarkozy und Merkel eingeladen. Das war bevor er wegen eines Korruptionsskandals sein Amt als Premierminister im April niederlegen musste. Alle großen Parteien hatten sich im Vorfeld auf einen "Waffenstillstand" geeinigt und es gab sogar zwischenzeitlich Pläne, eine zweite Volksabstimmung zum 'Schutz der Kinder in der Verfassung', am selben Tag abzuhalten. 2 3 4
Die Vertragsgegner, das Libertas-Bündnis, machten ihren Namen zum Programm: weniger Freiheit für Irland und mehr Bestimmung durch die Europa-Kommission würden die Folgen für Irland sein. Gerade im Bereich der Einfuhrzölle in der Landwirtschaft, die die EU plant zu senken und gleichzeitig große Agrarkonzerne gegenüber kleineren begünstigt, würden dem ländlich geprägten Irland nicht gefallen.
Dabei muss man berücksichtigen, dass steigendes Wirtschaftswachstum und stabil niedrige Arbeistlosenzahlen die Iren in den letzten Jahren gewohnt waren. Nun hat Irland nicht nur unter hoher Jugendarbeitslosigkeit zu leiden, sondern auch unter geringem Wirtschaftswachstum und die Immobilienpreise sinken, wie in den USA und in Großbritannien. Dazu kommen steigende Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel. 5
Der Libertas Gründer, Declan Ganley, sagte zu dem Votum:
"Das ist Demokratie in Aktion... und Europa muss auf die Stimmen der Menschen hören."
Wie recht er hat. Viele Europaer hätten es den Iren nachgemacht und sich ebenso gegen den Vertrag von Lissabon entschieden, hätte man sie nur endlich mal gelassen!
Geschrieben von Stan Weis
in power to the people
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20:31
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Zuletzt bearbeitet am 13.06.2008 21:14
Sonntag, 25. Mai 2008
10 Millionen Euro für einen Sieg
Man nehme ein hübsches Bübchen (Dima Bilan), einen Olympiasieger im Eiskunstlauf (Ewgeni Pluschenko) und einen berühmten Violonisten (Edvin Marton). Außerdem eine vier Quadratmeter große Eiskunstlauffläche, schöne Piouretten, ein bisschen nackte Haut und laszives Räkeln und eine Stradivari, ausgeliehen von einer Schweizer Bank. Fertig ist der Siegertitel des 53. Eurovision Song Contest.
Punktezuschieberei!
Gewonnen hat nämlich: Russland, genauer gesagt: Dima Bilan! Punktezuschieberei? Die Schweiz überlegt anscheinend zukünftig nichts mehr zu übertragen und auszusteigen.
Tatsächlich war der Sieg meiner Meinung nach nicht nur wegen der Ostblockzugehörigkeit nicht überraschend, sondern auch weil der russische Sänger bereits einige Erfolge in westlichen Ländern Europas feiern konnte. In Russland ist er ein absoluter Superstar, unter anderem wurde er drei Mal in Folge "Artist of the Year" bei den MTV Russia Music Awards und gewann den MTV Europe Music Award und den World Music Award als bester russischer Musiker. Er hat im übrigen 2006 schon mal beim Eurovision Song Contest teilgenommen und landete auf Platz zwei. Ich sage voraus, dass der Junge mit den "Schlafzimmeraugentalenten" (TAZ) eine internationale Karriere hinlegen wird, die sich gewaschen hat. Aber eigentlich hat er die fast schon. Das neue Album, welches zufälligerweise gerade herausgekommen ist, wird in Englisch, Russisch und Spanisch veröffentlicht.
Jetzt haben sie es endlich geschafft!
Wenn ein Land Sehnsucht nach diesem Sieg hatte, dann war es Russland. Das noch nie gewonnen hat. Dieses Jahr gab es in Russland zum ersten Mal einen richtigen Vorentscheid, bei dem die Zuschauer den Kandidaten bestimmt haben. Die Jahre zuvor (seit 1994 sind sie dabei) war Transparenz nicht wirklich das Motto solcher Veranstaltungen. 2005 gab es ein Zuschauervotum und hinterher Manipulationsvorwürfe (Dima Bilan wurde damals Zweiter).
Nach Angaben der TAZ soll der Aufwand des russischen Beitrags inkl. Promotouren und allem was dazu gehörte mehr als 10 Millionen EUR gekostet haben. Putin und Co., die natürlich ihre Hände im russischen Fernsehen haben setzten offenbar alles daran zu gewinnen, denn "ein Event wie der ESC ist Krieg ohne Kollateralschäden, aber mit der Verheißung, sich Europa als gut und wahr und schön zu präsentieren". Eine jährliche Friedensshow kommt Russland gerade recht, da Gas- und Ölpreise so hoch sind wie nie und man der gesamten Europäischen Öffentlichkeit (zum ersten Mal über 100 Millionen Zuschauer) schon mal einen Vorgeschmack bieten will, wie friedlich der Rohstoffkrieg der Zukunft ausgehen wird.
Vor diesem Hintergrund wird übrigens auch der erste Triumph, der seit 15 Jahren einer russischen Herrenmannschaft bei der Eishockeyweltmeisterschaft vor gut einer Woche gegen Kanada geglückt ist, interessanter.
Germany 12 points!
Ach ja, und dann war da noch Deutschland. Die No Angels bekamen 12 Punkte von Bulgarien! Das kam mir im ersten Moment etwas überraschend vor. Schließlich war es das zweite Mal seit acht Jahren, dass Deutschland 12 Punkte bekam. Lucy, eine der Sängerinnen, ist in Bulgarien geboren und sitzt in der Jury der bulgarischen Superstar-Sendung.
Puh! +SchweißvonderStirnabwisch+ Da haben wir ja nochmal Glück gehabt.
Mal ehrlich: hat jemand ernsthaft geglaubt die würden weit kommen? Die Performance mit diesen Tüchern sah meiner Meinung nach bescheuert aus und auch der Gesang war nur mittelmäßig. Die Zweitplatzierte des deutschen Vorentscheids wäre bestimmt nicht auf dem letzten Platz gelandet!
Hatte ich schon erwähnt, dass Deutschland Letzter wurde? Zusammen mit Großbritannien und Polen. 14 Punkte!
Tokio-Hotel für Deutschland 2009, in Moskau... zumindest fällt einem sonst gerade niemand ein, der irgendwann mal noch Chancen hätte den Grand Prix Eurovision de la Chanson für Deutschland zu gewinnen.
Vielleicht finden wir aber auch Interpreten, die in ihrer Performance für Menschenrechte, Pressefreiheit, freie Wahlen und alles andere was es in Russland nicht gibt, protestieren. Dann hätten wir Politik nicht nur bei der Punktevergabe, sondern live on stage! Wenn wir schon nicht durch musikalische Qualität den Ostblock überzeugen können. Unsere Freunde, die "lupenreinen Demokraten", hätten sicher nichts dagegen.
Geschrieben von Stan Weis
in Musik
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Zuletzt bearbeitet am 25.05.2008 10:15
Donnerstag, 8. Mai 2008
Mein Musiktipp: Jamie Scott & The Town
Jamie Scott ist 28, Brite, aus einem Vorort von London und seine Band heißt The Town. Er ist Singer-, Songwriter (Liedermacher), spielt Gitarre seit frühester Kindheit, hat aber auch Klavier gelernt und komponiert selbst. Das erste Album kam im September 2007 heraus. Es heißt Park Bench Theories (Parkbank Theorien). Den Stil wuerde ich als Alternative/Independent bezeichnen, viele vergleichen ihn mit James Blunt.
Was mir an Jamie Scott & the Town gefällt, ist, dass sie fast ausschließlich unplugged spielen. Die Melodien sind eingängig, die Texte überraschen durch phasenweise poetische Dichte, großartig und Jamie's Stimme ist einfach fantastisch. Das beste was ich seit langer Zeit gehört habe. Oder wie ein englischer Kommentator auf youtube schreibt:
Dieses Album spiegelt - so ist mein Eindruck - das Leben in einer englischen Stadt gut wieder, hat einige traurige Liebeslieder. So überrascht die erste Singleauskopplung nicht: When will I see your face again. Die zweite Single, Standing in the rain, gefällt mir persönlich noch besser.
Das Album hatte keinen großen Erfolg, die erste Single landete auf Platz 41 der UK-Charts. Ich weiß gar nicht, ob er es in Deutschland in die Charts schaffte. In Dänemark kam die Single auf Platz 8. Sie wurde dort in einer Fernsehwerbung benutzt. Der Verkaufsrang bei amazon.co.uk liegt inzwischen jenseits der 500.000, in Deutschland rangiert es fast auf dem 20.000. Platz.
Zu Unrecht, wie ich finde! Ich mag diese Orchestrierung und das Arrangement - Akkustik, Gitarre, Piano, stellenweise fast schon Country-Musik. Aber eben nur fast. Man sollte sich auch Live Auftritte auf youtube.com anschauen, wie z.B. die Cover-Version von Leona Lewis 'Bleeding Love', die sich tausend Mal besser anhört als das Original.
Da merke ich, es ist jemand am Werk, der nicht nur sein Handwerk beherrscht, nicht nur eine gute Stimme hat, nicht nur gute Texte schreibt. Sondern vor allem aufrichtig und authentisch ist.
www.jamiescottandthetown.com
Was mir an Jamie Scott & the Town gefällt, ist, dass sie fast ausschließlich unplugged spielen. Die Melodien sind eingängig, die Texte überraschen durch phasenweise poetische Dichte, großartig und Jamie's Stimme ist einfach fantastisch. Das beste was ich seit langer Zeit gehört habe. Oder wie ein englischer Kommentator auf youtube schreibt:
when we're good we're bloody amazing.
Dieses Album spiegelt - so ist mein Eindruck - das Leben in einer englischen Stadt gut wieder, hat einige traurige Liebeslieder. So überrascht die erste Singleauskopplung nicht: When will I see your face again. Die zweite Single, Standing in the rain, gefällt mir persönlich noch besser.
Das Album hatte keinen großen Erfolg, die erste Single landete auf Platz 41 der UK-Charts. Ich weiß gar nicht, ob er es in Deutschland in die Charts schaffte. In Dänemark kam die Single auf Platz 8. Sie wurde dort in einer Fernsehwerbung benutzt. Der Verkaufsrang bei amazon.co.uk liegt inzwischen jenseits der 500.000, in Deutschland rangiert es fast auf dem 20.000. Platz.
Zu Unrecht, wie ich finde! Ich mag diese Orchestrierung und das Arrangement - Akkustik, Gitarre, Piano, stellenweise fast schon Country-Musik. Aber eben nur fast. Man sollte sich auch Live Auftritte auf youtube.com anschauen, wie z.B. die Cover-Version von Leona Lewis 'Bleeding Love', die sich tausend Mal besser anhört als das Original.
Da merke ich, es ist jemand am Werk, der nicht nur sein Handwerk beherrscht, nicht nur eine gute Stimme hat, nicht nur gute Texte schreibt. Sondern vor allem aufrichtig und authentisch ist.
www.jamiescottandthetown.com
Geschrieben von Stan Weis
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Zuletzt bearbeitet am 16.05.2008 12:49
Samstag, 3. Mai 2008
And the winner is: Conservative!
Jeder, der in London wohnt und EU-Bürger oder Bürger eines Commonwealth Staates ist, durfte mitwählen. Den Bürgermeister von London. 45% haben es getan, anscheinend Rekord.
Mit der Wahlkarte kam auch ein Heftchen ins Haus geflogen, in dem jeder Kandidat auflistete was denn sein Plan ist. Daraus möchte ich mal ein bisschen zitieren (frei übersetzt) und dem geneigten Leser das Urteil überlassen.
Fangen wir mit dem Gewinner an. Boris Johnson, Conservative (auf deutsch CDU):
Wohlgemerkt, das sind die ersten vier Punkte. Erst danach kommen Umweltthemen (Nr.5) oder kommunaler Wohnungsbau (Nr.7)
Die anderen Kandidaten haben im Prinzip ähnliche Ziele, allen voran Kriminalität reduzieren. Boris Johnson ist in diesem Punkt jedoch der ambitionierteste. Der bisherige Inhaber, Ken Livingstone, Labour (SPD), hatte sich wohl zu sehr selbst gefeiert, aber wohl auch von der schlechten Politik des Premierministers Gordon Brown nicht profitiert. Ken Livingstone schreibt:
Er wollte
Er hatte außerdem auch den Plan, eine 25 Pfund-Gebühr für die umweltschädlichsten Verkehrsteilnehmer in der bereits bestehenden congestion zone einzuführen. Das wird Herr Johnson nicht machen.
Interessant liest sich eine Forderung der Linken. Da steht unter Punkt drei: Die Truppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen. Was soll diese Forderung bei einer Bürgermeisterwahl? Sie bekamen auch nur 0,68%.
Selbst die grüne Kandidatin, Sian Berry, kam nur auf Platz vier, 3,15%. Erstaunlicherweise nur wenige Stimmen vor dem Kandidaten der British National Party, der NPD auf deutsch. Und die Grünen hatten meiner Ansicht nach die klügsten Veränderungen im Sinn, u.a.:
Das Ergebnis.
Mit der Wahlkarte kam auch ein Heftchen ins Haus geflogen, in dem jeder Kandidat auflistete was denn sein Plan ist. Daraus möchte ich mal ein bisschen zitieren (frei übersetzt) und dem geneigten Leser das Urteil überlassen.
Fangen wir mit dem Gewinner an. Boris Johnson, Conservative (auf deutsch CDU):
- Aufpeppen der Polizeipräsenz: Anzahl der Polizisten auf den Straßen erhöhen
- Ernsthafte Strategien bzgl. knife and gun crime implementieren: Polizisten mit Hand-Waffenscannern bewaffnen
- Hart durchgreifen in der Kultur der allgmeinen Randale: live Kameraüberwachung in Bussen und ein kommunales Aktionsschema für Jugendliche, die Schwarzfahren
- Transport sicherer machen: mehr uniformierte Polizeibeamte in Bussen und auf Bahnsteigen einsetzen.
Wohlgemerkt, das sind die ersten vier Punkte. Erst danach kommen Umweltthemen (Nr.5) oder kommunaler Wohnungsbau (Nr.7)
Die anderen Kandidaten haben im Prinzip ähnliche Ziele, allen voran Kriminalität reduzieren. Boris Johnson ist in diesem Punkt jedoch der ambitionierteste. Der bisherige Inhaber, Ken Livingstone, Labour (SPD), hatte sich wohl zu sehr selbst gefeiert, aber wohl auch von der schlechten Politik des Premierministers Gordon Brown nicht profitiert. Ken Livingstone schreibt:
In den letzten acht Jahren wurde London zur erfolgreichsten Stadt der Welt mit mehr Jobs, tausenden von Polizeibeamten, großen Verbesserungen hinsichtlich Bussen, gute kommunale Verhältnisse, die Olympische Spiele gewonnen...
Er wollte
- Bussdienste verbessern, U-Bahn erneuern, mehr Schienendienste unter Londons Kontrolle um die Qualitä zu erhöhen...
- Weiterhin Kriminalität um 6% jedes Jahr senken, 1000 neue Polizisten und in jedem Staddteil ein Polizistenteam als Basis...
- 50.000 erschwingliche Wohnungen bauen in den nächsten drei Jahren...
Er hatte außerdem auch den Plan, eine 25 Pfund-Gebühr für die umweltschädlichsten Verkehrsteilnehmer in der bereits bestehenden congestion zone einzuführen. Das wird Herr Johnson nicht machen.
Interessant liest sich eine Forderung der Linken. Da steht unter Punkt drei: Die Truppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen. Was soll diese Forderung bei einer Bürgermeisterwahl? Sie bekamen auch nur 0,68%.
Selbst die grüne Kandidatin, Sian Berry, kam nur auf Platz vier, 3,15%. Erstaunlicherweise nur wenige Stimmen vor dem Kandidaten der British National Party, der NPD auf deutsch. Und die Grünen hatten meiner Ansicht nach die klügsten Veränderungen im Sinn, u.a.:
- Kostenfreie Isolation für die, die es benötigen.
- Alle Bus- und Off-Peak-U-Bahn-Preise um 20p kürzen.
- Rekommunalisierung von U-Bahn- und Schienen-Franchising
- 100.000 Photovoltaik- und Solarkollektoranlagen bis 2015
Das Ergebnis.
Geschrieben von Stan Weis
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Zuletzt bearbeitet am 05.05.2008 15:29
Freitag, 18. April 2008
Mein Buchtipp: Beim Häuten der Zwiebel
Beim Häuten der Zwiebel ist das Buch, welches im Spätjahr 2006 Aufsehen erregt hat. Günter Grass heisst der Autor, der darin seine Kindheit, seine Jugend, das Erwachsenwerden beschreibt. Das Buch endet mit der Veröffentlichung seines ersten Romans, mit dem ihm gleich der Durchbruch gelang: die Blechtrommel, 1959.
Ich habe dieses Buch jetzt erst gelesen, auf englisch ("Peeling the Onion"), weshalb, wenn ich daraus zitiere, ich frei übersetze. Ich habe sonst kein anderes Buch von Grass gelesen, auch mein erst kürzlicher Versuch der Blechtrommel ist kläglich gescheitert.
Es sind Erinnerungen, Memoiren, eine Autobiographie? Der Versuch sich zu erinnern, trifft es wohl am ehesten. Was beim Erscheinen dieses Buches im Rampenlicht erschien, war die Tatsache, dass Günter Grass Mitglied der Waffen SS war (den Krieg mit viel Glück überlebte) und mehr als 60 Jahre lang darüber geschwiegen hat.
Was aber dieses Buch aus meiner Sicht viel interessanter macht, "Mein Buchtipp: Beim Häuten der Zwiebel" vollständig lesen
Ich habe dieses Buch jetzt erst gelesen, auf englisch ("Peeling the Onion"), weshalb, wenn ich daraus zitiere, ich frei übersetze. Ich habe sonst kein anderes Buch von Grass gelesen, auch mein erst kürzlicher Versuch der Blechtrommel ist kläglich gescheitert.
Es sind Erinnerungen, Memoiren, eine Autobiographie? Der Versuch sich zu erinnern, trifft es wohl am ehesten. Was beim Erscheinen dieses Buches im Rampenlicht erschien, war die Tatsache, dass Günter Grass Mitglied der Waffen SS war (den Krieg mit viel Glück überlebte) und mehr als 60 Jahre lang darüber geschwiegen hat.
Was aber dieses Buch aus meiner Sicht viel interessanter macht, "Mein Buchtipp: Beim Häuten der Zwiebel" vollständig lesen
Geschrieben von Stan Weis
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Zuletzt bearbeitet am 03.05.2008 18:59
Freitag, 22. Juni 2007
Mein Buchtipp: Und außerdem war es mein Leben
Elfriede Brüning ist 1910 geboren und hat während ihres Lebens fünf verschiedene Staatsformen erlebt: in der Kindheit noch das Kaiserreich, dann die Weimarer Republik, die Naziherrschaft, die sozialistische Herrschaft der DDR und schließlich die Bundesrepublik Deutschland nach der Wende 1990. Ihr ganzes Leben lang verbrachte sie fast ausschließlich in und um Berlin, wo sie auch heute noch lebt (außer einigen Jahren während des Dritten Reichs). Das brachte es mit sich, dass sie immer am "Puls der Zeit" lebte und politische Veränderungen schnell und hautnah miterlebte.
Elfriede Brüning verließ nach der 10. Klasse die Schule, interessierte sich damals schon für Journalismus und fing im Alter von 18, 19 Jahren an für Zeitungen zu schreiben. Mit 20 trat sie in die KPD ein, engagierte sich gegen die Naziherrschaft, vor und nach deren Machtergreifung. In den ersten Kriegsjahren war sie auch am kommunistischen Widerstand beteiligt. Ihr erstes Buch Und außerdem ist Sommer ist eines der bekannteren, es wurde 1934 veröffentlicht. Vor nun schon über siebzig Jahren. Seit 1950 arbeitet sie als freie Schriftstellerin.
Angelehnt an den ersten veröffentlichten Titel ist "Und außerdem war es mein Leben" (1994) die Autobiographie einer der bekanntesten Schriftstellerinnen der DDR, die mit Unterhaltungsliteratur bekannt wurde. Daneben aber führte sie ein engagiertes politisches Leben - als Kommunistin. "Ich will alles so aufschreiben, wie es in meiner Erinnerung lebt.", heißt der erste Satz dieses Buches, das keineswegs ideologisch durchtränkt ist - man glaubt beim Lesen zu spüren, dass sie aufrichtig mitteilen möchte. Sie hält nicht mit ihrer kommunistischen Gesinnung hinterm Berg. So schildert sie die Anfänge ihrer Parteiarbeit, während der Weimarer Republik, Anfang der 30er Jahre:
"In Zirkeln studierten wir Marx und Engels. Wir gingen auf die Straße und demonstrierten. Wir verteilten Flugblätter. Abends diskutierten wir uns in der Wohngruppe oder auch zu Hause, im Kreis von Genossen, die Köpfe heiß. Wir wollten die verrottete Welt aus den Angeln heben, eine neue gerechte Ordnung errichten, in der, unter anderem auch Köchinnen Schulen und Universitäten besuchen können, um Minister zu werden, wie Lenin forderte. Aber wir mußten erst das Ende des Zweiten Weltkrieges erleben, ehe wir in einem Teil des zerstückelten Landes den Versuch unternehmen konnten, unsere Ideale zu verwirklichen. Und wieder vierzig Jahre später ist unser Versuch gescheitert."
Später im Buch lässt sie die "Denke" der Kommunisten, zumindest ihre und die mit ihr befreundeten, durchblicken - wie sie es viele Male im Buch tut -, als der Volksaufstand zum 17. Juni 1953 misslang und somit der "Versuch DDR" weiterging:
"Aber war es den Versuch nicht dennoch wert? Waren alle, die sich damals mit ganzer Kraft dafür einsetzten, daß der Aufstand niedergeschlagen wurde und man wieder zu normalen Verhältnissen unter sozialistischen Vorzeichen zurückkehren konnte - was nur mit Hilfe sowjetischer Panzer gelang -, weltfremde Phantasten, Träumer oder auch Karrieristen, die um ihre Privilegien bangten? Auch solche mag es gegeben haben. [...] Wir hatten genaue Vorstellungen von dem Staat, den wir schaffen wollten, einen Staat, in dem jeder ein Recht auf Arbeit und Bildung hat und auch darauf offen seine Meinung zu sagen, [...] Einige unserer Ziele hatten wir schon verwirklicht. Schickten wir nicht Arbeiterkinder auf die Universitäten? Und wir hatten auch die Frauen aus ihrer Unmündigkeit befreit, ihnen den Zugang zu allen Berufen eröffnet und ihnen die gleichen Rechte wie den Männern gesetzlich zugesichert, einschließlich des gleichen Lohnes für gleiche Arbeit - eine Forderung, die in dem westlichen Staat bis heute nicht erfüllt worden ist. Wir waren also, wie wir meinten, der bessere Staat, [...] Wir waren stolz auf unsere vermeintliche Unabhänigigkeit und glaubten uns auf dem richtigen Weg."
Mögen diese Einblicke in die kommunistische Gesinnung für manchen befremdlich wirken, so ist an anderer Stelle im Buch - nämlich als es um den 7. Oktober 1949, der Tag der Gründung der DDR geht - der bemerkenswerte Satz zu lesen:
"Mein Buchtipp: Und außerdem war es mein Leben" vollständig lesen
Geschrieben von Stan Weis
in )gegen(kultur
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18:03
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Zuletzt bearbeitet am 23.06.2007 17:25
Freitag, 15. Juni 2007
Dunkelkammer EU-Verfassung
Am 21. Juni treffen sich die Staats- und Regierungschef der EU, um gleichsam im Schatten des G8-Gipfels die EU-Verfassung wiederzubeleben. Mehr Demokratie e.V. hat 23 Kritik-Punkte vorgelegt, die überzeugend darstellen, dass es hier um Machtanspruch von Brüssel gegenüber den EU-Ländern geht und dass dieses Mammutwerk mit Demokratie nicht mehr viel zu tun hat.
Auszüge aus den 23 Kritik-Punkten:
Die Mitglieder des Verfassungskonvents, die den Entwurf der EU-Verfassung erarbeiteten, wurden von den EU-Länder-Gremien delegiert, durchweg EU-gläubige Politiker. Die bürgerliche Zivilgesellschaft war in diesen Prozess praktisch nicht eingebunden. Laut Präambel ist die Verfassung "im Namen der Bürgerinnen und Bürger" entstanden und das sah so aus: 50 handverlesene Bürger durften sich das fast 500-seitige Papier lediglich einige Minuten anschauen!
Nach dem Verfassungskonvent wurde der Entwurf unterzeichnet. Nicht alle Teilnehmer haben ihn jedoch unterzeichnet. Welche Vertreter welcher Länder nicht unterzeichnet haben ist aber nicht einzusehen. Die Liste bleibt geheim. Zu diesem ganzen Prozess sagte Jean-Claude Juncker, Premierminister von Luxemburg, und ein glühender EU-Verfechter:
„Ich habe noch nie einen derart Untransparenz, eine völlig undurchsichtige, sich dem demokratischen Wettbewerb der Ideen entziehende Veranstaltung erlebt. Der Verfassungs - Konvent ist angekündigt worden als die große Demokratie – Show – ich habe noch keine dunklere Dunkelkammer gesehen als diesen Konvent.“ (Spiegel, 16.06.2003)
Die EU-Gewaltherrschaft
"3.b) Ein Staat kann in seinem Recht die Todesstrafe für Taten vorsehen, die in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr begangen werden."
"Der Gerichtshof der Europäischen Union ist nicht zuständig im Bereich der Artikel I-40 und I‑41, im Bereich des Titels V Kapitel II über die Gemeinsame Außen‑ und Sicherheitspolitik."
"Die Mitgliedstaaten verpflichten sich, ihre militärischen Fähigkeiten schrittweise zu verbessern."
Aufhebung der Gewaltenteilung
Diese Beispiele, von denen es noch mehrere gibt, zeigen, dass weder eine demokratisch legitimierte Grundlage der EU-Verfassung im Sinne einer Verfassung von "unten" angestrebt ist oder umgesetzt werden wird, noch die Inhalte dieser Verfassung auf einer demokratischen Grundlage fußen. Das Gegenteil ist der Fall.
Die Gewaltenteilung, also die Aufteilung der Staatsgewalt in Parlament, Regierung und Rechtsprechung zur Begrenzung der Macht und zur Sicherung von Freiheit und Gleichheit für alle Bürger ist aufgehoben!
Sie ist eine Errungenschaft aus der Zeit absolutistischen Herrscher der 18. Jahrhunderts und heute eine der Grundsäulen jeder Demokratie.
Aus diesem Grund muss man annehmen, dass es keine Dummheit, sondern kaltblütige und machtpolitische Herrschaftssüchtigkeit ist, wenn Jürgen Lammert, Präsident des Deutschen Bundestags - also nach dem Bundespräsidenten der zweithöchste Staatsbeamte in der BRD - in der Welt am Sonntag sagt:
„Es [ist] nicht wirklich überzeugend, im Kontext des klassischen Nationalstaats entwickelte Prinzipien wie den Grundsatz der Gewaltenteilung ohne Weiteres auf ein supranationales Gebilde wie die Europäische Union zu übertragen,...“
Man kann nur hoffen, dass sich Menschen wie der frühere Bundespräsident und Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Prof. Roman Herzog, lautstark zu Wort melden. Jener hat den ersten europäischen Konvent geleitet, welcher die Charta der Grundrechte der EU erarbeitet hat und er hat ebenfalls in der Welt am Sonntag vom 14.01.2007 nicht nur gesagt:
„Es stellt sich die Frage, ob man die Bundesrepublik Deutschland noch uneingeschränkt als eine parlamentarische Demokratie bezeichnen kann."
sondern er rät auch ganz lapidar:
„Diese Verfassung ist abzulehnen"
Geschrieben von Stan Weis
in power to the people
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Zuletzt bearbeitet am 19.06.2007 12:56
Mittwoch, 13. Juni 2007
Mein Buchtipp: "Wie der Soldat das Grammofon repariert"
Vorneweg möchte ich sagen, dass dieses Buch in unzähligen Kritiken sämtlicher Medien bereits besprochen worden ist, nicht zuletzt weil es auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises stand. Nur ich komme ewig gestrig hinterher. Ich habe eine Reihe dieser Buchkritien gelesen und möchte eine davon empfehlen: nämliche jene des Deutschland Funk, in der auch der Autor zu Wort kommt.
Es ist eines der außergewöhnlichsten Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, sowohl was die Strukturierung wie auch die literarische Umsetzung betrifft. Ein Roman, der den Krieg auf dem Balkan aus der Sicht eines Jungen, Aleksandar erzählt - ein biographisches Buch, erzählt von Saša Stanišić, 1978 in Bosnien-Herzegowina geboren, 1992 mit seinen Eltern nach Deutschland geflüchtet.
Im Mittelpunkt steht die Heimatstadt Višegrad, der Fluss Drina und die Familie, in der der Junge aufwächst. Der Autor lässt seinen Protagonisten Geschichten erzählen, in die er sich regelrecht vor den Kriegswirren flüchtet. Als Leser folgt man ihm gerne und oft mit einem Schmunzeln. Aus Kindersicht werden Szenen, Personen und Orte geschildert, die eine Dichte und Bildervielfalt ausdrücken, wie ich es bisher noch nicht oft gelesen habe.
Gleichsam als roter Faden spaziert Opa Slavko durch das Buch, der gleich auf Seite eins stirbt, der aber dennoch durch alle Geschichten und Stationen im Buch größer auflebt als jede andere Nebenfigur. "Als alles noch gut war", nämlich vor dem Krieg, sind die Geschichten von überbordender und ausschweifender Natur und als die Familie tatsächlich flüchtet, nämlich nach Deutschland, und der Protagonist älter wird, nehmen Geschichten und Fantasie ab - die Realität hält Einzug. Der Einblick in eine Flüchtlingsfamilie wirkt eindringlich und direkt.
Am Ende des Buches kehrt der junge Erwachsene in seine Heimat zurück, auf der Suche nach seiner Kindheit, nach den Menschen und Orten, nach den Geschichten. Der Schleier der Fantasie ist ebenso zerfallen wie eine vom Krieg zerstörte Stadt mit ihren Menschen; man kann als Leser nur ahnen wie ernüchternd und beklemmend dieser Anblick gewesen sein muss. Was bleibt ist wohl ein großes Stück Erinnerung an die Kindheit, den Krieg und natürlich an Opa Slavko.
Mein Fazit:
Dieses Buch ist außergewöhnlich, weil es ein Roman ist, der Geschichten erzählt und einen Krieg beschreibt, der in Fantasie gehüllt ist. Die kindliche Sicht und erzählerische Dichte die hier zu Papier gebracht sind, sind wirklich beeindruckend. Vor allem auch wenn man bedenkt, dass der Autor erst mit 14 Jahren deutsch gelernt hat - es ist sein Debütroman. Es ist große Erzählkunst, die den Leser aus der Sicht des jungen Aleksandar wie beim Spicken durchs Schlüsselloch die Ausschnitte eines Krieges beobachten lässt und der Geschichten hervorzaubert, die ehrlicher sind als jeder Kriegsbericht. Und es ist eine Hommage an Opas, die viel zu früh gehen.
www.kuenstlicht.de - das Weblog des Autors, wo es auch eine Leseprobe und Hörprobe gibt - gelesen vom Autor gibt.
Es gibt auch ein Hörspiel, das für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert wurde (Hörbeispiel) und es soll wohl auch demnächst eine Bühnenfassung des Stoffes geben. Wer immer noch nicht genug hat, der kann hier noch mehr lesen, sehen und hören.
Geschrieben von Stan Weis
in )gegen(kultur
um
19:24
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Zuletzt bearbeitet am 14.06.2007 15:29


