Sonntag, 23. August 2009
Deutscher Buchpreis: die alternative Liste der Independent-Verlage ist besser!
Allein dieser Diskussion und der Meinungsmacht, die sie damit hat, muss ein Gegengewicht gesetzt werden, müssen sich wohl die unabhängigen, kleinen Verlage im Land der Dichter und Denker gedacht haben und gaben noch am selben Tag, an dem die Longlist für den diesjährigen Buchpreis veröffentlicht wurde, ihre eigene heraus:
1. Hans Adler: Das Städtchen. Roman (Lilienfeld Verlag)
2. Barbara Bongartz: Perlensamt. Roman (weissbooks)
3. Michel Butor: Der Zeitplan (Matthes & Seitz Berlin)
4. Gion Mathias Cavelty: Die Andouilllette. Roman (Echtzeit Verlag)
5. Leonid Dobycin: Die Stadt N. Roman (Friedenauer Presse)
6. Daniel Goetsch: Herz aus Sand. Roman (Bilger Verlag)
7. Germar Grimsen: Almatastr. Roman (Verbrecher Verlag)
8. Jan Kossdorf: Sunnyboys. Roman (Milena Verlag)
9. Margret Kreidls: Eine Schwalbe falten (Edition Korrespondenzen)
10.Martin Kubaczek: Sorge. Ein Traum Roman (Folio Verlag)
11. Jan Off: Unzucht (Ventil Verlag)
12. David Peace: Tokio im Jahr Null (Liebeskind)
13. Joel Rosenman: John Roberts und Robert Pilpel: Making Woodstook. Ein legendäres Festival und seine Geschichte - erzählt von denen, die es bezahlt haben (Orange Press)
14. Alexander Schimmelbusch: Blut im Wasser. Roman (Blumenbar Verlag)
15. Ulrich Schlotmann: Die Freuden der Jagd (Urs Engler)
16. Jochen Schmidt: Schmidt liest Proust (Verlag Voland & Quist)
17. Michael Weins: Delfinarium. Roman (mairisch Verlag)
18. Chantal Wicki: Gleissen (Salis Verlag)
19. Benjamin Tienti: Raubvogel. Roman (Luftschacht)
20. Uljana Wolf: falsche freunde (Kookbooks)
Nicht, dass ich alles davon gelesen habe, aber zu meinen persönlichen Empfehlungen gehören auf jeden Fall die Nummern 16 und 17.
Donnerstag, 21. Mai 2009
Der neue *schwule* Weg im Fußball
Nach der preisgekrönten Reportage im letzten Jahr wurde jetzt - am 19. Mai 2009 - eine weitere Reportage ausgestrahlt: "Tabubruch - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball". Sie zeichnet die Entwicklungen zum Thema "Homosexualität im Fußball", die im letzten Jahr stattgefunden haben, nach.
Demnach will der DFB noch im Jahr 2009 ein Länderspiel unter der Thematik Homophobie im Fußball stellen. In Person des Präsidenten Dr. Theo Zwanziger wird erstmals auf eine offene und progressive Weise das Thema Homosexualität im Fußball umgesetzt und damit eine Zeitenwende eingeläutet. Beim Christopher Street Day in Köln 2008 wurden erstmals Gelder vom DFB bereit gestellt. Immerhin der größte seiner Art in Europa.
Als Fan des VfB Stuttgart bin ich natürlich auch ein bisschen stolz, dass der VfB ebenfalls in der ersten Reihe der Befürworter dieser Kampagne steht. VfB Präsident Erwin Staudt wird Schirmherr des Christopher Street Days 2009 in Stuttgart sein und in diesem Rahmen auch öffentliche Reden halten. Ein wirklich tolles und begrüßenswertes Engagement!
Jetzt soll auch das Buch des ehemaligen Fußballprofi Marcus Urban: "Versteckspieler", das letztes Jahr im Oktober herauskam, verfilmt werden.
Etwas bewegt sich in Fußballdeutschland und das ist wichtig! Meiner Meinung nach kann man die Vorbildfunktion, die öffentliche Diskussion und damit auch die Toleranz gegenüber Minderheiten, die mit einem Coming Out eines Fußballspielers (oder z.B. auch von mehreren Fußballspielern gleichzeitig) gar nicht hoch genug bewerten. Aufgrund des extrem hohen Stellenwerts des Fußballsports in Deutschland, seines gesellschaftlichen, kulturellen und auch politischen Einflusses, wäre das eine echte Chance für mehr Toleranz in diesem Land.
Mit dieser angestossenen öffentlichen Diskussion befindet sich Deutschland was das Thema Homosexualität im Fußball betrifft, im Vergleich zu anderen Ländern in Europa, in denen Fußball einen ähnlichen Stellenwert hat, auf einer Vorreiterposition.
Donnerstag, 19. Februar 2009
aufgelesen: daniel kehlmann: ruhm
Er ist mit eigenen Maßstäben zu messen.
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Montag, 10. November 2008
Autorenradio? Gab's mal anno dazumal
Autorenradio ist anscheinend in Deutschland nicht mehr gefragt; es regieren "Durchhörbarkeit" und "Klangteppiche" mit Dauermusikuntermalung, die nur durch ein eigenes Comedy-Blödel-Format unterbrochen werden, die Verkehrsnachrichten oder dem neuesten "Geräusch der Woche", auf dessen Suche weitere Opfer in die seichten Untiefen des Formatradios gelockt werden, auf dass sie alle nur noch Geld gewinnen wollen, denn Hörgenuss gibt's ja schon lange nicht mehr als Gewinn. Bleibt nur zu hoffen, dass die Werbewirtschaft sich in dieser Hinsicht auch aufs Internet einlassen mag und gute Ideen wie byte.fm bald die Unterstützung finden, die sie verdienen. Oder sich genug Menschen der Initiative für ein glaubwürdiges Radio anschließen. Damit man irgendwann mal wieder von Radio reden kann. Oder, liebe ProgrammmacherInnen, macht wenigstens gleich Nägel mit Köpfen und wagt Euch zurück ins weiße Rauschen!
Samstag, 1. November 2008
Webtipp: Tales of Mere Existence / Prokrastination
Naja, wie dem auch sei, jetzt hab ich doch eine journalistische Prokrastination hier abgelegt, denn ich wollte ja eigentlich darauf hinaus, dass mir dieser Freund dann einen Link schickte zu einem kleinen Zeichentrickfilm, und ich dadurch gerade ein Aha-Erlebnis hatte. Es handelt sich dabei um die Serie "Tales of Mere Existence" des amerikanischen Cartoonisten Lev Yilmaz:
Yilmaz hat einen türkischen Vater und eine schwedische Mutter. Und wahrscheinlich noch andere Eltern und Einflüsse, die ihm dieses Comic-Gen weitergegeben haben. Im übrigen ist er allein schon deshalb sympathisch, weil er folgendes prokrastinationsgerecht gesagt hat: "I figured if I was stupid enough to try to become an artist, I'd at least be smart enough to work inexpensively, because to be an artist is usually to sigh up for a life of poverty." Im San Francisco Chronicle ist ein witziger Artikel über ihn, und hier ist seine eigene Website to watch out for. Eine echte Entdeckung! So, und jetzt habt Ihr wenigstens einen guten Ablenkungsgrund, um Dinge zu verschieben und nicht zu erledigen! Mehr von den Tales gibt's nämlich auf YouTube.
Dienstag, 14. Oktober 2008
Frankfurter Buchmesse, erster Tag
Immerhin hielt Boos sich kurz, was man von seinen Nachrednern nicht unbedingt behaupten kann. Am längsten konnte Hessens Innenminister Volker Bouffier. Auch bei ihm ein Fauxpas: Zwei Spotlights vorne gaben vorübergehend den Geist auf. Ein Zeichen für den bevorstehenden Regierungswechsel? Gehen der CDU jetzt schon die Lichter aus? War die Rede deswegen so lang?
Während Staatspräsident Abdullah Gül den Weg Richtung Demokratie und Dialog einschlug, den ihm zuvor Außenminister Steinmeier Richtung EU geebnet hatte, war die Oberbürgermeisterin von Frankfurt, Petra Roth, die Einzige, die sich verdientermaßen dem deutsch-türkischen Verhältnis im eigenen Land widmete und erwähnte, was die 1,7 Mio. Mitbürger türkischer Herkunft in Deutschland alles Tolles leisten, vor allem in Frankfurt. Auch erwähnte sie die Rede Orhan Pamuks von 2005, als dieser - ein Jahr vor dem Literatur-Nobelpreis - vom Deutschen Buchhandel mit dem Friedenspreis bedacht worden war.
Dieser hatte dann schließlich Gelegenheit, schon wieder zu beeindrucken und zu geißeln. Er beschrieb seine Erfahrungen mit der Buchmesse, als er zum ersten Mal da war. Wie klein er sich gefühlt hatte angesichts der ganzen Bücher und der großen globalen Verlagswelt. Und leitete dann geschickt über, um Kritik zu üben: "Wir Schriftsteller schreiben aber nicht, um angesichts von Millionen anderer Bücher brüderliche Gefühle zu entwickeln und unsere Bescheidenheit unter Beweis zu stellen, sondern gerade, um die eigene Stimme wahrzunehmen und auch für andere, für Leser, hörbar zu machen." Dabei stelle man fest, dass die eigene Identität oft gar nicht so fern liege von der, die wir "nationale Identität" nennen. Und dann kam's: Pamuk kritisierte, wie und von wem in seinem Land definiert wird, was Kulturen und Literaturen ausmache. Dass alle, die irgendwie anders sind, immer noch verfolgt und unterdrückt werden (so wie es ihm selbst passiert ist, als er wegen "Verunglimpfung des Türkentums" - Paragraf 301 - angeklagt wurde und Morddrohungen erhielt). Dass freie Meinungsäußerung immer noch nicht überall stattfinden kann. Dass Internet-Seiten wie YouTube gesperrt seien. Und dass keiner, der in der Türkei kulturell aktiv ist, dies begreifen würde, allein aus dem Grund, dass die türkische Kultur und Literatur doch weltweit Verbreitung findet.
Das Kopfschütteln ging im Zug zurück weiter, als ich mit der Banknachbarin ins Gespräch kam. Sie ist Kurdin, Anfang 20 und studiert in Frankfurt. 1989 ist sie mit ihren Eltern aus dem kurdischen Teil der türkischen Republik geflohen. Sie musste mit ansehen, wie ihr Onkel verschleppt wurde und viele andere grausame Dinge. Ihre Eltern sind nie zur Schule gegangen, sie hat sich in Deutschland Bildung erkämpft. Akzentfrei spricht sie Deutsch, eigentlich spricht sie viel besser Hessisch als ich. Wenn sie heute auf Türkisch angesprochen wird, ärgert sie sich. "Ich kann die Sprache nicht. Ich bin Kurdin, und das sage ich auch." Dann gäbe es oft Streß, selbst hier in Deutschland, von "deutschen Türken". "Die verstehen das einfach nicht. Die sagen, mein Land gibt's ja gar nicht. Aber das war da, das ist doch historisch belegt." Viele ihrer Freunde würden ihre kurdische Identität leugnen. Das wolle sie auf keinen Fall. Hass auf die Türken habe sie aber nicht. "Ich will nur, dass die Kurden im Osten der Türkei friedlich leben können, nicht mehr gezwungen werden, Türkisch zu lernen, normale Schulen haben, Infrastruktur, Wasser, Strom, nicht mehr leben müssen wie vor 100 Jahren. Und dass sie genauso behandelt werden wie alle anderen, wenn sie nach Istanbul kommen, um zu arbeiten. Einfach Frieden." Formulieren darf sie das nicht so genau, noch nicht mal in Deutschland, da eckt sie überall an. Wir kamen überein, dass diese Form von Dialog und Friedensbemühen wohl kaum Platz haben werden, auf dieser 60. Buchmesse.
Donnerstag, 11. September 2008
Fundstück der Woche
"Über 100 Schriftstellerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz tummeln sich beim ersten Odenwälder Krimifestival 'Modern Frauen anders?'."
Sonntag, 17. August 2008
aufgelesen: laurent gaudé: eldorado
Freitag, 15. August 2008
aufgelesen: thomas pletzinger: bestattung eines hundes
Es geht um den Journalisten Daniel Mandelkern. Der wird von seiner Chefin, die auch seine Frau ist, beauftragt, den neuen Star am Kiinderbuchhimmel Dirk Svensson in seinem Heim am Luganer See aufzusuchen und ein Porträt über ihn zu schreiben. Als Mandelkern angekommen ist, ist Svensson aber alles andere als bereit, mit ihm zu reden. Mandelkern versucht herauszufinden, warum, was die Lebensgeschichte dieses Mannes ist, wobei ihm seine Fähigkeiten als Ethnologe mehr helfen als die als Journalist. Zum anderen helfen ihm Svenssons Jugendliebe Tuuli und das Buchmanuskript, das er in dem Zimmer findet, in dem er untergebracht ist. Er ahnt: Hinter diesem Leben ist eine Geschichte, die größer ist als das, was man momentan vom Erfolgsautor Svensson sieht. Aber eine sehr private. Und er merkt: Diese Geschichte hat mehr mit ihm zu tun, als ihm lieb ist.
"aufgelesen: thomas pletzinger: bestattung eines hundes" vollständig lesenMittwoch, 13. August 2008
aufgelesen: karen duve: taxi
Mittwoch, 21. Mai 2008
Aus für Sendevielfalt
Dass die Entscheidungen über diese Sparmaßnahmen aber so schnell fallen würden, damit hatte keiner gerechnet. Wie der "Tagesspiegel" heute vermeldet, fallen damit schon zum ersten Januar 2009 zwei sehr populäre Angebote dem Sparzwang zum Opfer: das selbsternannte "Zeitgeist-Magazin" "Polylux" von Tita von Hardenberg und ihrer Produktionsfirma "Kobalt Productions" sowie "Radio Multikulti".
"Polylux" startete 1997 im RBB bzw. ORB und wechselte 2001 ins Hauptprogramm der ARD. Für das "Ehrensenf"-Moderationstalent Katrin Bauerfeind war die Sendung ein wichtiger Baustein in ihrer Karriere vom Web ins TV, als sie vertretungsweise dort moderierte. Ansonsten zeichnet sich "Polylux" durch eine zielgruppengerechte und intelligente Verlängerung ins WWW aus. Erst letztes Jahr wurde das eigene Video-Magazin-Blog "polylog.tv" mit dem Grimme Online Award in der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" ausgezeichnet.
Das Aus für diese wichtigen Angebote bedeutet auch, dass der RBB-Anteil am ARD-Programm schrumpft. Hier war "Polylux" in der Tat das Aushängeschild des Senders; dabei wurde es extern gemacht und beruht nicht auf einer innovativen Idee einer/s RBB-Redakteurs/in. Und: von Hardenbergs Magazin war immer, auch wenn es mit diesem späten Sendeplatz zu kämpfen hatte, so etwas wie die Speerspitze einer neuen Jugendbewegung contra die Vergreisung des durchschnittlichen ARD-Konsumenten. Schade, dass sich damit nun Dagmar Reims Hoffnung von 2006, wie sie im Interview mit der taz ausdrückte, nicht erfüllt hat:
"Demografisch läuft alles auf uns zu. Aber es wäre ein Trugschluss, sich damit zufriedenzugeben. Wir wollen Gebühren von allen. Das bedeutet: Wir dürfen uns nicht für den sogenannten Best-Ager- oder Silver-Ager-Weg entscheiden. Wir müssen unbedingt jüngere Menschen für unsere Programme gewinnen, allerdings ohne auf Krawall zu setzen. Es wäre ein Todesstoß für das Erste Deutsche Fernsehen, so zu tun, als sei es Viva für Arme." Im Moment ist das Erste noch nicht mal letzteres. Vielleicht ist "Polylux" aber ja einfach nur seiner eigenen Ironie zum Opfer gefallen, skandierte es doch immer, "das Letzte im Ersten" zu sein.
Wenn die ARD mutig wäre, würde sie "Polylux" einfach selbst produzieren. Denn wie in der "Frankfurter Allg. Sonntagszeitung" letzte Woche zu lesen war, ist die Sendeanstalt nach dem Reinfall mit "Bruce" für ihren Sendeplatz um 18.50 Uhr dringendst auf der Suche nach "Formaten, die emotional sind und möglichst die Gesellschaft bewegende Themen (z.B. arm und reich, Migration, das Auseinanderdriften der Gesellschaft, Bildung, Generationen-Konflike etc.) integrieren und trotzdem die für den Vorabend notwendige 'Leichtigkeit' enthalten." "Ratlosigkeit herrscht bei der ARD nie", soll ARD-Programmdirektor Günter Struve in diesem Zusammenhang angeblich gesagt haben. Also dann: Ich hätte da so einen Vorschlag. Und um Zielgruppen zu halten und neue zu gewinnen, wird einem das doch mal 5000 Euro Produktionskosten pro Sendeminute wert sein, oder?
Wie viel kostet eigentlich die Produktion der verschiedenen Feste der Volksmusik so?
Samstag, 26. April 2008
Neue deutsche Mädels
Zwei Mädels erzählen über ihre Männer und Affären, Liebe, Sex, ihre Eltern und Kindheit, aber vor allem über sich. Wie sie sich als Frauen in Gesellschaft sehen, ihren Stand und Status in der Zeit des Post-Alice-Schware-Feminismus.
Das Buch hat mich spontan in der Buchhandlung angesprochen: Neue Deutsche Mädchen von Jana Hensel und Elisabeth Raether. Die zwei Autorinnen mäkeln meines Erachtens ohne Not an der Selbstinszenierung von Alice Schwarzer rum. Teilweise plätschert das Buch so vor sich hin, teilweise ist es jedoch auch sehr gut, erheiternd und auf jeden Fall eine sinnvolle Lektüre für alle die interessiert daran sind wie sich zumindest diese zwei Frauen selbst sehen. Ob dies stellvertretend ist für alle anderen Frauen sein kann, bezweifele ich, für manch andere jedoch wohl schon.
Dieser Satz von Elisabeth Raether in dem Abschlusskapitel ist es fast allein wert das Buch zu kaufen (Es gibt aber noch jede Menge anderer guter Sätze als Grund, um dieses Buch zu kaufen):
"Es war für mich eine durch und durch erleichternde Einsicht, dass nicht ein Mann mich glücklich machen würde, sondern mir dies selbst gelingen muss." [...]
Und weiter:
"Meine selbstverständlichen Annahmen, [...] meine voreiligen Schlüsse, meine Gewissheit, dass ich betrog, allein weil ich mich selbst für eine Betrogene hielt, hatten auf einer Empfindung beruht, die nur als umfassendes Misstrauen beschrieben werden kann, ein Misstrauen, das Frauen, wie ich denke, Männern gegenüber nicht selten haben. An der Oberfläche nimmt es unterschiedliche Formen an, Eifersucht, Empfindlichkeit, Unsicherheit, Trotz. Zugrunde liegt immer das Gefühl, unterlegen zu sein, entstanden aus der Idee, die Liebe sei das Lebensziel einer Frau, während ein Mann nur eine nachrangige Rolle spiele."
Jetzt fehlt nur noch das Gegenbuch "Neue deutsche Jungs"... Mal schauen wie ich die nächsten Wochen Zeit habe, um eines zu schreiben.
Dienstag, 25. März 2008
aufgelesen: clemens meyer: die nacht, die lichter
Jetzt also das zweite Buch. Kein Roman, sondern Kurzgeschichten. Auch sie handeln wie „Als wir träumten“ wieder von kaputten Typen und Lebensverlierern in vornehmlich ostdeutschen Kleinstädten.
"aufgelesen: clemens meyer: die nacht, die lichter" vollständig lesenSonntag, 23. März 2008
aufgelesen: michael kumpfmüller: nachricht an alle
Sonntag, 6. Januar 2008
aufgelesen: finn-ole heinrich: räuberhände
Nach dem Band mit Erzählungen "die taschen voll wasser" erschien im November 2007 das sagenhafte Romandebüt "Räuberhände" des Hannoveraners Finn-Ole Heinrich.
Darin geht es um Janik und Samuel. Die haben gerade Abitur gemacht und noch keine weiter gefassten Pläne für die Zukunft. Jetzt müssen sie erstmal ihren Sommer verlängern. Dazu soll es nach Istanbul gehen, wo Samuel seinen Vater und damit seine Identität finden muss, während Janik darüber grübelt, was Liebe und Beziehung eigentlich bedeuten. Übergroß, hitzig und unübersichtlich ist diese Stadt. Ihr gegenüber steht die wilde Entschlossenheit der beiden jungen Deutschen, die, obwohl sie die Metropole gar nicht kennen, sich dort niederlassen und ein Geschäft eröffnen wollen. Dabei ist die Stadt eigentlich nur zweitrangig, eher eine Lupe, ein Brenneisen, das die Vorgänge beschleunigt, die sowieso unentrinnbar vor ihnen liegen: erwachsen werden. Lernen, Verantwortung zu übernehmen und zu tragen. Sich entscheiden. Leicht ist das für die Protagonisten nicht, weil dieses Coming of Age auf dem Rücken ihrer langjährigen, bodenständigen, manchmal an mehr grenzenden Freundschaft ausgetragen wird.
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