Samstag, 20. Dezember 2008
Das Britische Pfund im freien Fall
Als ich im Juni 2007 nach Großbritannien kam, lag das Pfund bei ca. 1,47 €. Im Sommer 2008 dümpelte es bei 1,25 € herum, seit Mitte November ist es im freien Fall.
Gestern war das vorübergehende Rekordtief, da lag das Britische Pfund zeitweise bei 1,04 €.
Premierminister Gordon Brown gibt Durchhalteparolen aus, nach dem Motto:
Mit unserem kämpferischen Geist und unserer Can-Do-Haltung schaffen wir es.
Die britische Wirtschaft ist noch stärker auf dem absteigenden Ast als die deutsche oder europäische. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das Pfund weiter sinken wird und wäre nicht verwundert, dass, wenn ich aus den Weihnachtsferien in Deutschland zurück kehre, der EURO das Pfund überholt hätte.
Wer aber glaubt, dass die Briten deshalb über einen EURO-Beitritt nachdenken, der hat sich getäuscht. Angeblich, so die ARD, sind mind. 70 % der Briten immer noch dagegen, das Pfund ist ihnen heilig. Ich gehe nicht davon aus, dass die Briten die Währung nicht freiwillig wechseln, selbst wenn das Pfund bei unter 80 Cent ankommt - was mich nicht überraschen würde.
Auch der Dollar bleibt stabil. Das Pfund war im Sommer noch rund 2,00$ wert, hat jetzt fast ein Viertel dieses Wertes eingebüßt und steht zur Zeit bei 1,49$. Den Chinesen sei Dank, die den Amis durch ihre Währungsreserven die Wirtschaft retten.
Das alles ist ja nicht soo dramatisch, außer man muss zum Beispiel deutsche BAföG-Schulden oder ähnliches - wie ich - abzahlen. Eine Arbeitskollegin hat darüber nachgedacht nach Luxemburg auszuwandern: hohe Löhne, billiges Benzin, billige Zigaretten, niedrige Arbeitslosigkeit, EURO-Währung. Naja, wegen der Währung umziehen? Das wär mal ein interessantes Reisemotiv...
Samstag, 3. Mai 2008
And the winner is: Conservative!
Mit der Wahlkarte kam auch ein Heftchen ins Haus geflogen, in dem jeder Kandidat auflistete was denn sein Plan ist. Daraus möchte ich mal ein bisschen zitieren (frei übersetzt) und dem geneigten Leser das Urteil überlassen.
Fangen wir mit dem Gewinner an. Boris Johnson, Conservative (auf deutsch CDU):
- Aufpeppen der Polizeipräsenz: Anzahl der Polizisten auf den Straßen erhöhen
- Ernsthafte Strategien bzgl. knife and gun crime implementieren: Polizisten mit Hand-Waffenscannern bewaffnen
- Hart durchgreifen in der Kultur der allgmeinen Randale: live Kameraüberwachung in Bussen und ein kommunales Aktionsschema für Jugendliche, die Schwarzfahren
- Transport sicherer machen: mehr uniformierte Polizeibeamte in Bussen und auf Bahnsteigen einsetzen.
Wohlgemerkt, das sind die ersten vier Punkte. Erst danach kommen Umweltthemen (Nr.5) oder kommunaler Wohnungsbau (Nr.7)
Die anderen Kandidaten haben im Prinzip ähnliche Ziele, allen voran Kriminalität reduzieren. Boris Johnson ist in diesem Punkt jedoch der ambitionierteste. Der bisherige Inhaber, Ken Livingstone, Labour (SPD), hatte sich wohl zu sehr selbst gefeiert, aber wohl auch von der schlechten Politik des Premierministers Gordon Brown nicht profitiert. Ken Livingstone schreibt:
In den letzten acht Jahren wurde London zur erfolgreichsten Stadt der Welt mit mehr Jobs, tausenden von Polizeibeamten, großen Verbesserungen hinsichtlich Bussen, gute kommunale Verhältnisse, die Olympische Spiele gewonnen...
Er wollte
- Bussdienste verbessern, U-Bahn erneuern, mehr Schienendienste unter Londons Kontrolle um die Qualitä zu erhöhen...
- Weiterhin Kriminalität um 6% jedes Jahr senken, 1000 neue Polizisten und in jedem Staddteil ein Polizistenteam als Basis...
- 50.000 erschwingliche Wohnungen bauen in den nächsten drei Jahren...
Er hatte außerdem auch den Plan, eine 25 Pfund-Gebühr für die umweltschädlichsten Verkehrsteilnehmer in der bereits bestehenden congestion zone einzuführen. Das wird Herr Johnson nicht machen.
Interessant liest sich eine Forderung der Linken. Da steht unter Punkt drei: Die Truppen aus dem Irak und Afghanistan abziehen. Was soll diese Forderung bei einer Bürgermeisterwahl? Sie bekamen auch nur 0,68%.
Selbst die grüne Kandidatin, Sian Berry, kam nur auf Platz vier, 3,15%. Erstaunlicherweise nur wenige Stimmen vor dem Kandidaten der British National Party, der NPD auf deutsch. Und die Grünen hatten meiner Ansicht nach die klügsten Veränderungen im Sinn, u.a.:
- Kostenfreie Isolation für die, die es benötigen.
- Alle Bus- und Off-Peak-U-Bahn-Preise um 20p kürzen.
- Rekommunalisierung von U-Bahn- und Schienen-Franchising
- 100.000 Photovoltaik- und Solarkollektoranlagen bis 2015
Das Ergebnis.
Freitag, 9. November 2007
Mit dem Fahrrad durch Paris
Der Bürgermeister von Paris hat ehrgeizige Ziele: er will die Verkehrs- und Klimaprobleme der Stadt mit Hilfe von Fahrrädern lösen. Er will über 20 000 Fahrräder an über 1400 Verleihstationen zur Verfügung stellen, um den Fahrradverkehr um 400% bis 2020 zu erhöhen. Die Süddeutsche Zeitung schreibt:
"Bis Jahresende sollen 20 000 Räder an 1400 Stationen bereitstehen - das wäre, inklusive 300 Reparaturvollzeitstellen, der weltgrößte Verleih. Zügig nachziehen wollen London und Dublin. Kopenhagen lässt wissen, dass spätestens 2015 die Hälfte aller innerstädtischen Fahrten mit dem Fahrrad unternommen werden soll. Und China überholt gleich den gesamten Westen: Für die Olympiade 2008 in Peking hat man 50 000 Leihräder angekündigt."
Macht der Pariser Bürgermeister dies aus wahltaktischen Gründen, immerhin sind nächstes Jahr Kommunalwahlen. Oder will er sich tatsächlich gegen die Auto-Lobby stimmen und hat urplötzlich den umweltfreundlichen Individualverkehr auf dem Drahtesel entdeckt...?
Weitere Quellen:
ADFC-Pressemitteilung
Meldung auf meta-info.de
Mittwoch, 29. August 2007
Dinge, die die Welt nicht braucht II
"Wer viel pilgert, wird selten heilig", zitiert Henning Klüver den Augustiner Thomas von Kempten zu Recht. Aber erstens sahen das rund 150 Millionen Menschen letztes Jahr anders, die sich auf den Spuren von Hape Kerkeling und anderer neu Bekehrter ebenfalls auf den Jakobsweg begaben. Und es werden immer mehr. Und zweitens muss ja nicht der Pilgerer heilig werden, sondern derjenige, der die Pilgerreisen anbietet. Und sofern's im Klingelbeutel klimpert, muss man es ja genau genommen mit dem Heilig-Werden nicht so genau nehmen. Da ist es doch auch besser, wenn gleich diejenigen das Geschäft machen, die sich damit auskennen.
Und so ist der Vatikan in das Geschäft mit Flugreisen eingestiegen und bietet ab demnächst Pilgerreisen per Flugzeug an: nach Lourdes, zum Jakobsweg und anderen Wallfahrtsorten. Gestern gab's den Jungfernflug, was ich in diesem Zusammenhang endlich mal ein gutes geflügeltes Wort finde, wenn auf einen Schlag 150 Priester, Vikare und Messdiener in die Luft gehen.
Das Ganze fand unter dem Motto "Ich suche Dein Antlitz, Herr" statt (wobei ich mich frage, wie das als ganzer Satz auf die Heckflosse der Boing 737 passt, aber wer suchet, der findet bekanntlich ja auch .... Mittel und Wege, und der Weg ist ja das Ziel). Auch bekannt ist das Motto, das so gar nicht nach sexy Billigflieger klingen mag, als Psalm 27. Veranstalter der Pilgerreisen ist die italienische Fluggesellschaft Mistral Air, die hauptsächlich im Besitz der italienischen Post ist und mal von einem schwergewichtigen US-Schauspieler namens Carlo Pedersoli, besser bekannt als Bud Spencer, gegründet wurde. Ob der gestern auch beim Jungfernflug mit in die Luft gehen durfte und ob er dabei zwei Sitzplätze brauchte, war bisher noch nicht übers Netz herauszufinden. Schade eigentlich, allein die Überschrift "Zwei Fäuste im Flieger - Halleluja!" wäre zu reizvoll gewesen. Aber so fern liegt dieser Zusammenhang nun auch wieder nicht, spielte Signor Pedersoli doch schon in solch christlichen Monumentalschinken wie "Quo vadis" mit, und sein Schwiegerpapa Peppino Amato produzierte einst Fellinis "La dolce vita".
In diesem Sinne wünsche ich dem Projekt viel Segen auf all seinen verschlungenen Wegen. Nur eine Frage hätt' ich da noch: Warum soll ich in Lourdes eigentlich noch aussteigen, wenn ich das heilige Wässerchen doch schon zollfrei vorher an Bord kaufen kann?
Donnerstag, 9. August 2007
Tschernobyl-Tourismus
Für Extremtouristen der besonderen Art bietet unter anderem die ukrainische Reiseagentur Hamalia Tagesausflüge nach Tschernobyl an. Von der Hauptstadt Kiew geht es per Bus nach Nordwesten in die kontaminierte Zone, in der die wenigen Menschen nur noch mit Tourismus ihren Lebensunterhalt sichern können.
Die 100-150 Dollar teuren Tages-Touren in die Todeszone (WELT Online) sind wohl sehr beliebt, vor allem bei Touristen aus den USA und Kanada. Völlig unbeeindruckt von der Radioaktivität scheinen sich die Touris selbst ein Bild von der nicht greifbaren Radioaktivität machen zu wollen. Tschernobyl ist zur Abenteuerreise (FAZ) für viele Rucksacktouristen geworden, die das individuelle Erlebnis des Extremen haben wollen, wobei das Extreme vor allem die verlassenen Städte rund um das Atomkraftwerk ist. Das Radioaktive in der Natur ist nicht greifbar und spürbar außer durch ein Dosimeter, insofern tritt das radioaktive Erlebnis wohl eher in den Hintergrund zusammen mit der Frage welche gesundheitlichen Folgen all dies haben kann.
Interessante Bilder und Berichte aus der Sperrzone gibt auf folgenden Seiten:
Die Homepage von Filatova Elena Vladimirovna
Bilder, die keiner sehen sollte von Igor Kostin
Mittwoch, 8. August 2007
Der neuseeländische Online-Briefkasten
Online-Briefkasten bedeutet, dass man sich bei Private Box registriert und per E-Mail werde ich benachrichtigt, welche Art Post für mich angekommen ist. Man kann dann anweisen, ob diese Briefe, Päckchen oder Sonstiges weitergeleitet werden soll, gelagert oder zerstört werden soll.
Das bedeutet alle die keinen Briefkasten haben, weil sie keinen festen Wohnsitz haben, oder für längere Zeit von ihrem neuseeländischen Heim entfernt wohnen, müssen damit nicht mehr den Nachbar behelligen, um den Briefkasten ab und an zu leeren. Natürlich ist es auch für die großen Mengen an Briefkasten-Firmen interessant...
Bei der Deutschen Post habe ich einen solchen innovativen Service übrigens vergeblich gesucht.
"Der neuseeländische Online-Briefkasten" vollständig lesen
Samstag, 4. August 2007
Deutsche Bahn: Und sie nehmen dich doch mit
Die gute Nachricht ist: und sie nehmen dich doch mit, mit Fahrrad im ICE. So gehts: man nehme eine (Fahrrad-)Tasche, um das Fahrrad darin zu transportieren. Das Vorderrad sollte man vorher abmontieren. Dann in den ICE einsteigen und einen geeigneten Platz für die Tasche suchen... das kann etwas dauern, deshalb sollte man vorher die ICEs relativ genau kennen. Wenn ein Schaffner kommt, leugnet man einfach, dass ein Fahrrad in der Tasche ist, ohne Polizei ist er ja nicht berechtigt die Tasche zu öffnen.
Sonntag, 1. Juli 2007
Reisen zu Kunst und Kultur: "drp Kulturtours" ist online
Seit diesem WE gibt es ein Online-Portal für Reisen zu Kunst und Kultur in Deutschland: "drp Kulturtours" ist endlich online gegangen.
Geboten wird ein umfassendes Angebot zu Reisen zu Musik-Festivals, Opern-Events, Kunstausstellungen, aber auch Studien- und Aktivreisen sowie kulinarischen und literarischen Erkundungen, stets journalistisch, informativ und ansprechend aufgearbeitet, und in drei Kategorien "Metropolen", "Festivals, Events, Ausstellungen" und "Land & Leute" gegliedert. Zusätzlich kann mit einer differenzierten Suchmaske nach passgenauen Reiseangeboten gesucht werden. Wer sich einfach und bequem informieren lassen will, kann auch einen Newsletter bestellen. Hinter dem bisher einmaligen Serviceangebot im Internet stecken die Kulturwissenschaftler Harald Kother und Matthias Pätzold aus Hamburg.
Sonntag, 3. Juni 2007
Von Fahrrädern, der Bahn und Piloten...
Die Fahrradfahrer des ADFC lobbyieren sich seit Jahren die Münder fusselig, um die Deutsche Bahn zu einer Fahrradmitnahme im ICE zu bewegen. Am Donnerstag, 31.05.2007, hat Verkehrsminister Tiefensee nun plötzlich den Vorschlag eines Pilotbetriebes angeregt.
Doch die Deutsche Bahn hat gleich am nächsten Tag in gewohnter Kundenunfreundlichkeit diesen Vorschlag vom Tisch gefegt: zu teuer, zu zeitintensiv und überhaupt die Bahn will einfach nicht, sollen doch die lästigen Radfahrer mit IC, EC und Nachtzug fahren. In diesen Zügen kann man nach umständlicher Reservierung (nicht übers Internet möglich!) und mit etwas purem Glück ein Fahrrad auf viel zu wenig Platz mitnehmen.
Man könnte ja als Transportmonopolist im Schienenfernverkehr zu sehr auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen. Ein schwerer Fehler jetzt wo es eigentlich nur noch darum geht hohe Gewinne auszuzeichnen, um börsenfähig zu erscheinen. Seien wir froh, dass überhaupt noch Züge fahren! Ist die Bahn erst privatisiert, dann fahrt alles unter 20% Umsatzrendite wahrscheinlich kaum bis gar nicht - und welche Strecke macht schon so eine Rendite. Dann sind auch die Radfahrer abgehängt, also was solls...
Von Berlin nach Rostock sind sie das ab heute genau eine Woche lang. Denn die Bahn hat kurzerhand die Fahrradmitnahme verboten - für die Zeit vom 02. Juni bis 09. Juni. Hat die Bahn ein Rad ab fragt daraufhin die taz. Ich frage mich, ob wir uns so ein Bahnunternehmen nicht sparen können und gleich ganz aufs Rad umsteigen.
Montag, 14. Mai 2007
Radreise-Wiki eröffnet
Es ist noch fast druckfrisch: das Radreise-Wiki. Gestern wurde es eröffnet, darauf gestoßen hat mich ein guter Freund und Mitinitiator. Ziel des Wiki ist "Fakten rund um das Thema Radreisen [zu] sammeln". Artikel schreiben kann jeder, der sich an dem angegliederten Radreise-Forum als Benutzer registriert. Vermutlich werde ich auch den einen oder anderen Artikel schreiben/anlegen. Generell hoffe ich jedoch, dass es rege Nutzung findet, um gute und tief greifende Informationen über das Radreisen und Fahrräder generell zu erfahren.


