Donnerstag, 3. April 2008
Bukarest: Gipfelgegner verhaftet
Während in Bukarest beim NATO-Gipfel die USA gerade mit Deutschland, Frankreich und Spanien um die Osterweiterung des Verteidigungsbündnisses rangeln, haben nach Informationen der taz und der Nachrichtenagentur AP am Mittwochmittag noch vor Beginn des Gipfels Spezialeinheiten der rumänischen Gendarmerie friedliche Gipfelgegner, darunter auch zehn Deutsche, die sich in einer Fabriketage organisiert und diese dafür legal gemietet hatten, evakuiert und einige von ihnen verhaftet. Ein Augenzeuge berichtet, dass es keinerlei Vergehen gab, außer die Tatsache, dass sie vor Ort friedliche Protest-Banner gemalt haben und am Montag ein offener Brief in linken Internetforen gepostet wurde, der dazu aufruft, sich am Protest gegen den NATO-Gipfel zu beteiligen, auch als "normaler Bürger". Die Behörden riefen eine Sicherheitsstufe aus, die unter anderem in Rumänien Demos verbietet - bevor überhaupt irgendeine Demo in Bukarest stattgefunden hat. Das Vorgehen erinnert an das in Deutschland vor dem G8-Gipfel in Heiligendamm letztes Jahr im Sommer, als in Hamburg vermeintliche Orte des linken Terrorismus und Privatwohnungen rein auf Verdacht hin gestürmt, Wanzen gelegt und Post abgefangen und geöffnet wurde. Mehr Informationen zu Gipfel und Protest gibt es auf der deutschen gipfelsoli-Seite, die in engem Kontakt zu den Gipfelgegnern in Bukarest steht.
Montag, 20. August 2007
20.August - Nationalfeiertag in Ungarn
Der 20.August ist in Ungarn Nationalfeiertag. Gefeiert wird die Heiligsprechung des ersten ungarischen Königs, István I., der die Ungarn christianisiert hat. Zwischen den Jahren 1949 und 1989 war es der Tag der Verfassung, aber seit 1989 wird der Tag der Heiligsprechung von István I. (Deutsch: Stefan I.) wieder groß gefeiert.
Letzte Woche liefen in Budapest schon die Vorbereitungen für das große Feuerwerk, das am Abend des 20.August stattfinden wird. Einige Brücken werden ab 20 Uhr für den Verkehr gesperrt werden, denn von dort aus wird das Feuerwerk gezündet. Die Farben des Feuerwerks werden meist in Nationalfarben gehalten: rot, weiß und grün.
Feuerwerke gibt es natürlich nicht nur in Budapest, sondern auch an vielen anderen Stellen, wie z.B. hier am Plattensee. Viele zünden die Feuerwerke schon am Abend des 19., denn da sind noch alle in ihren Ferienhäuschen und es steht nicht in Konkurrenz zum großen Feuerwerk in Budapest. So haben wir gestern Abend beobachten können wie die Boote hier aus dem nächsten Hafen auf den Plattensee gefahren sind zu einer kleinen Sternfahrt und vom Ufer ein Feuerwerk gezündet wurde. Das war auch nicht das einzige Feuerwerk, das man hier an der Nordseite des Balatons beobachten konnte.
Letztes Jahr kam am 20.August leider ein schreckliches Unwetter über Budapest, das zwar von der Wetterbehörde kurzfristig vorhergesagt, aber von den Organisatoren der Veranstaltung entweder zu spät wahrgenommen wurde (erst am nächsten Tag) oder wohl nicht ernst genug genommen wurde und es starben 5 Menschen. Das Feuerwerk konnte gar nicht erst gezündet werden. Hoffen wir, dass die Feierlichkeiten heute Abend ohne Zwischenfälle vor sich gehen, denn zum 20. August schlägt gewohnheitsgemäß auch immer das Wetter um.
Dienstag, 14. August 2007
Die üblichen Terroristen sind verdächtig
"Die Explosion des Sprengsatzes ist ein Beweis dafür, dass es notwendigKeine Frage es hilft der Regierung schon sehr, dieser so genannte Terroranschlag, hat man doch alles richtig gemacht und kann den starken Mann darstellen.
war, dass unser Anti-Terror-Ausschuss rechtzeitig Maßnahmen zur
Sicherung der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen beschlossen hat.
Es geht um die sachgerechte Koordinierung der Tätigkeit aller
Rechtsschutzorgane."
Schnell hat man zwei Verdächtige und deren Phantombilder (RIA Novosti) bei der Hand und ruft auch schon nach tscheschenischen Terroristen. Das kommt doch sehr bekannt vor, nach dem Motto die Geister, die ich rief, sind endlich da.
Wer Anna Politkovskajas "Russisches Tagebuch" gelesen hat, ahnt wie in Russland Politik gemacht wird.
Ich möchte den Artikel beenden mit einem Zitat aus dem Buch "Die CIA und der 11. September" von Andreas von Bülow, der die Aussage des Geheimdienstchefs in anderes Licht rückt:
"Die üblichen Terroristen sind verdächtig" vollständig lesen
Sonntag, 8. Juli 2007
Aufgelesen: Katja Huber: Reise nach Njetowa
Katja Huber ist eine der Autorinnen, bei der man nicht genau weiß, ob man sie noch als „Geheimtipp“ anpreisen darf, ohne sich dadurch lächerlich zu machen. Denn im „etablierten Kulturbetrieb“ hat sie es schon recht weit gebracht: Sie arbeitet fest im „Zündfunk“-Team des Bayerischen Rundfunks, hat bereits mehrere Hörspiele bei den Öffentlich-Rechtlichen produziert, 2005 ihren ersten, erfolgreichen Roman „Fernwärme“ veröffentlicht, war letztes Jahr für den Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb nominiert und bekam einen der Bayerischen Staatsförderpreise für Literatur. Und trotzdem ist Katja Huber angenehm Underground geblieben, wird nicht ständig herumgereicht in allen on- und offline-Postillen von „jetzt.de“ bis „Monopol“, hat keinen Blog oder eine anstrengende Popkultur-Attitüde wie einige männliche Kollegen ihres Alters und veröffentlicht ihr zweites Buch „Reise nach Njetowa“ nicht gleich bei Rowohlt, sondern wieder beim kleinen, unabhängigen Münchner P.Kirchheim-Verlag. Und das ist guuuuuut...!
Die komplette Rezension gibt's hier.
Donnerstag, 31. Mai 2007
Ja, was denn jetzt?
Entgegen des von mir gestern gebloggten Eintrags sind die "Teletubbies" nun doch nicht schwul. Die Kinderbeauftragte der polnischen Regierung, Ewa Sowinska persönlich hat das nach einer Prüfung durch einen Sexualwissenschaftler gestern bekannt gegeben.
Also, was denn jetzt? Und welche Kindersendungen sind dann auf der anderen Seite tatsächlich zur Sexualerziehung geeignet?
Mittwoch, 30. Mai 2007
In Polen bald kein Winke-Winke mehr?
Bei Welt-online ist heute ein interessanter Artikel zu lesen: Die polnische Forscherin Ewa Sowinska hat entdeckt, dass der größte der "Teletubbies" Tinky Winky gelegentlich eine Handtasche trägt. Noch dazu ist er blau, mit einer starken Tendenz ins Lilane. Sowinskas Schluß: Tinky Winky ist vermutlich homosexuell und die "Teletubbies" keine (ohnehin fragwürdige) Sendung für Kleinkinder, sondern eine Propaganda-Sendung für Homosexualität. Acht Jahre hat es gedauert, bis jemand diese unterschwellige Tendenz der erfolgreichen Serie herausarbeitet. Zugegeben: Tinky Winky hat es uns auch schwer gemacht: Er macht sein Winke-Winke am Ende jeder Folge nicht mit abgeknicktem Handgelenk, so wie das ja bekanntlich alle Schwulen tun. Stopp, Moment: Wieso eigentlich "er"? Die "Teletubbies" haben doch gar kein Geschlecht, eben aus erzieherischen Gründen... So weit, so amüsant.
Doch lustig ist die Sache nicht, denn Sowinska zieht noch weiter ihre Schlüsse aus diesem Schluß und fordert ernsthaft ein Verbot der "Teletubbies" im polnischen Fernsehen. Auch das könnte man vielleicht noch belächeln, aber das Ganze bekommt vor allem dadurch einen bitteren Beigeschmack, dass Sowinska vor ein paar Monaten ein Berufsverbot für Schwule und Lesben forderte, die beruflich mit Kindern zu tun haben.
Andere, damit verbundene Aktionen gab's bereits: Für polnische Lehrer herrscht seit Mitte des Monats das Verbot für homosexuelle Propaganda", per Dekret durchgesetzt vom Erziehungsminister und stellvertretenden Ministerpräsident Roman Giertych von der national-katholischen Regierungspartei "Liga der Polnischen Familien".
Warum nicht auch die "Sesamstraße" verbieten? Bei Ernie und Bert weiß man ja auch nicht so genau. Möglicherweise ist das ebenfalls Propaganda. Und wer schützt in diesem Land eigentlich das Befinden von Schwulen und Lesben, die mit heterosexuellen Werbebotschaften noch und nöcher bombardiert werden? Und vor allem: Warum hat hier noch keiner erforscht, warum das KEINEN Einfluß auf Schwule und Lesben hat?
Donnerstag, 17. Mai 2007
Noch mal Grand Prix und die Vorherrschaft "Osteuropas"
Ich war gerade so ein bisschen ratlos, ob ich das als Kommentar schreiben soll oder als eigenen Artikel, aber da ich ja mit zu den Schreibenden gehöre, werde ich mal einen neuen Artikel aufsetzen und auch noch meinen Senf zum Grand Prix abgeben.
Also erstens verstehe ich den Aufruhr den es um die Vormachstellung "Osteuropas" beim Grand Prix in der Presse gab überhaupt gar nicht. Erstens ist der Begriff Osteuropa hier, wie meistens in der Presse, nicht korrekt. Serbien ist zweifelsohne nicht Osteuropa, sondern gehört wenn dann zu Südosteuropa und Länder wie Ungarn gehören definitiv zu Mitteleuropa. Das ist da erste, was mich an der Diskussion irritiert hat. Dann frage ich mich auch, was denn so schrecklich daran ist, dass "Osteuropa" im Grand Prix besser abschneidet als die meisten westeuropäischen Länder, nicht zu vergessen, dass letztes Jahr Finnland gewonnen hat, das sich nun wahrlich nicht zu Osteuropa zählen kann, auch wenn es an Russland grenzt. Irgendwie hatte man beim diesjährigen Grand Prix den Eindruck, dass die Beiträge aus Osteuropa kreativer, vielseitiger und witziger waren als manch westeuropäische.
Beim Grand-Prix in Belgrad nächstes Jahr lernen die vielen westeuropäischen Fans des Grand-Prix dann vielleicht auch mal "Osteuropa" kennen. Und nicht immer nur Osteuropäer Westeuropa.


